Ich bin gefragt (Teil 3/5) – und lasse ihn an mein Innerstes

 

Liebe Gemeinde,

wie bekommt es Jesus mit meiner Persönlichkeit, meinem Innersten zu tun? Oder anders herum: Wie bekommt es meine Persönlichkeit mit Jesus zu tun? Teil 3 unserer kleinen Reihe „Ich bin gefragt“, dem etwas anderen Glaubenskurs.

Vielleicht ist es nicht ganz egal, wie rum wir diese Frage stellen: „Wie bekommt es meine Persönlichkeit mit Jesus zu tun“ – das klingt nach „Ich würde ja gerne, aber wie kann ich Jesus so erleben, dass er mich verändert?“ Anders herum: „Wie bekommt Jesus es mit meiner Persönlichkeit zu tun?“ – das klingt danach, als würde Jesus sagen: „Ich würde ja gerne, aber wie komme ich an dich ran?“

So stehen wir uns manchmal gegenüber wie die Königskinder, und der Graben ist viel zu tief. Der Glaube und ich, wir gehören schon zusammen, irgendwie. Aber dass Jesus mir mal so nahekommt, dass von ihm etwas zu mir fließt, mich berührt, mich verwandelt – wie soll das bloß jemals geschehen? Weiterlesen

Ich bin gefragt (Teil 2/5) – und will dem begegnen, der mich fragt

Liebe Gemeinde,

„Ich bin gefragt“ – unsere kleine Reihe von fünf Sonntagen, in denen wir uns sozusagen noch einmal die Grundlagen unseres Glaubens ansehen wollen. Unseres Glaubens als Beziehung zu Christus. Das letzte Mal: die Freude, die es auslöst, bei Christus ein gefragter Mensch zu sein. Kein Druck, keine Pflicht, kein „Jetzt solltest du aber auch“, sondern pure Freude: „Meinem Freund gehöre ich, nach mir steht sein Verlangen“ (Hoheslied 7,11). Wow!

Wer das spürt, wer sich darüber freut, denn zieht es fast von allein zur Antwort. Der will ihm, dem Freund, immer wieder begegnen, will immer wieder mit ihm, Gott, zusammensein. Geistlich gesprochen: den zieht es ins Gebet. Denn Gebet ist keine Sprechtechnik. Sondern Gebet ist Begegnung. Der zweite unserer fünf Teile in dieser Reihe also: Weiterlesen

Das Wort ward Fleisch ward Wort

 

Liebe Gemeinde,

„Ave verum corpus“, der Chor beweint noch einmal den Leib Christi. Für die, denen das mit Ostern jetzt vielleicht zu schnell ging. Wir spulen den Film noch mal zurück. Es ist Karfreitag. Höchstens Karsamstag. Allerhöchstens Karsonntag, als die Frauen früh morgens zum Grab kamen, um den verum corpus, den wahrhaftigen Leib Jesu zu salben.

Wir spulen noch mal zurück. Weiterlesen

Wunden, immer schon, immer noch. Überwunden.

Liebe Gemeinde,

und wir stehen unter dem Kreuz und sehen auf ihn. Und können erst einmal nicht anders als schweigen. Unser Kopf ist leer angesichts dieses entsetzlichen Bildes. Sein Kopf auf die Brust gesunken. Die Dornenkrone fällt nicht herab. Seine Seite aufgerissen. Seine Füße, seine Hände durchbohrt.

Was haben sie nur mit ihm gemacht? Was hat seine Liebe nur aus ihm gemacht? Seine Liebe auch zu mir. Was habe ich nur mit ihm gemacht? Wie sind nur meine Wunden auf ihn gekommen? Wie bloß habe ich denn ihn verwundet?

Was haben wir nur gemacht aus seinen Händen und aus seinen Füßen? Aus diesen Händen, die doch nur geheilt und geholfen haben. Aus diesen Füßen, die wie die Füße des Freudenboten auf den Bergen waren und gute Nachricht gebracht und Frieden verkündet haben.

Und da stehen wir unter dem Kreuz und sehen hoch und wir sehen Weiterlesen

Sich hartmachen um der Liebe willen

 

Liebe Gemeinde,

ein Trostlied haben wir da eben gehört [aus Jesaja 51,1-8]: dass da einer heilsam gegenwärtig sein wird, dass da einer Gerechtigkeit bringen wird, dass es den Kräften an den Kragen gehen wird, die dem Leben an den Kragen gehen wollen.

Palmsonntag. Da singen auch welche. Die Leute, die mit Jesus in die Stadt Jerusalem einziehen. Sie singen: „Hosianna dem Sohn Davids!“, und „Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“

Stellen wir uns vor, das wäre der Refrain. Und dann gäbe es noch Strophen. Und die Strophen würde der auf dem Esel singen. Nämlich aus dem Lied, das wir eben aus Jesaja gehört haben. Zum Beispiel: „Merkt auf mich, ihr Völker, und ihr Menschen hört mir zu! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich zum Licht der Völker machen!“ Und die Leute antworten: „Hosianna dem Sohn Davids!“, und „Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“

Und fragen sich dabei: Von wann spricht er? Wann wird sein Recht zum Licht der Völker? Und wir fragen uns: Weiterlesen

Ich bin gefragt (Teil 1/5) – und freue mich!

 

Liebe Gemeinde,

„ich bin gefragt“, diese kleine Reihe von fünf Sonntagen bis Pfingsten ist der Versuch, unseren Glauben noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu erkunden. Nicht was wir glauben oder wie wir leben, soll da zuerst die Frage sein. Nicht also um Inhalte und Taten, Dogmatik oder Ethik soll es gehen. Sondern um den Glauben als Beziehung. Und natürlich kommen dann auch irgendwann die Fragen, was denke ich über dich, Gott, und wie lebe ich, wenn ich mit dir zusammen bin. Aber dann kläre ich Dogmatik und Ethik in der Beziehung zu ihm. Nicht am grünen Tisch.

Ich bin gefragt – und am Anfang steht die Freude darüber, gefragt zu sein. Vor jeder Antwort, die ich gebe, steht die Freude, gefragt zu sein. Weil ich merke: Hier werde ich nicht etwas gefragt, sondern hier bin ich gefragt. Ich bin ein gefragter Weiterlesen

Die eine Frage in meinem Gefängnis

 

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist Dietrich Bonhoeffer auch deswegen manchen Menschen so nah. Er lässt nicht so schnell nach außen, wie es in ihm aussieht. Wenn er da so aus seiner Zelle tritt, dann merkt man offensichtlich nicht, was in ihm wirklich los ist. Dann scheint nicht er der Gefangene, sondern seine Wärter. Ein bisschen wie Jesus im Johannes-Evangelium vor Pilatus: Wenn dir nicht die Macht von meinem Vater im Himmel gegeben wäre, dann hättest du sie nicht über mich. Ich bin nicht wegen dir, sondern weil ich es so will. Der weinende Jesus in Gethsemane, der letzte Schrei Jesu am Kreuz – das hätte nicht gepasst zu Jesus, wie Johannes ihn sieht. Und vielleicht auch zu Bonhoeffer nicht.

Nun hören wir immerhin in diesem Gedicht von Bonhoeffer, dass er sich seiner selbst durchaus nicht immer so sicher ist. Wie er wirkt, ist eines. Was in ihm los ist, dass kann durchaus auch mal Weiterlesen

Weltenwechsel

 

Liebe Gemeinde,

ja, eine Israel-Reise ist schon eine spezielle Erfahrung. Dazu gleich noch mal.

Schon jede Auslandsreise an sich ist natürlich eine besondere Erfahrung. Sich einmal dem ganz Anderen auszusetzen. Regelrecht in eine andere Welt einzutreten.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich das sozusagen als freiwilligen Selbstversuch, sprich: Urlaub mache. Oder ob ich mich zwangsweise in der Fremde wiederfinde, sagen wir mal, als Flüchtling. Dann ist die Bereitschaft, das Neue zu erkunden, naturgemäß etwas geringer. Größer dagegen ist die Angst, was die fremde Welt wohl aus mir macht. Denn die macht ja was mit mir. Wie ich bin, das hängt ja immer auch davon ab, mit wem ich zusammen bin. Im Urlaub mögen wir das genießen, auch mal ein ganz anderer zu sein. Muss man in der Fremde leben, passt man wohl mehr darauf auf, sich nicht zu vergessen.

Wer bin ich, wenn ich nicht Weiterlesen

Gott erzählt von seinen Gefühlen

 

Liebe Gemeinde,

von Enttäuschungen haben wir eben gehört und dass man erst wieder ein freier Mensch wird, wenn man losgelassen hat. Denn wer anderen etwas nachträgt, hat oft schwer zu schleppen.

Aber wie schwer ist auch das Loslassen! Wenigstens: Wie lange dauert das oft! Erst muss man mal wollen wollen. Und wenn man dann will, kann man oft nicht. Und wenn man dann kann, kommt oft vom anderen nichts zurück. Und dann will man plötzlich auch wieder nicht mehr. Wie Christus den Weg der Versöhnung einfach zu Ende gehen, koste es, was es wolle? Unerreichter Einzelfall, unerreichbares Vorbild!

Manchmal redet die Bibel aber auch anders über Gott. In unserem Predigttext heute zum Beispiel. Der klingt, als käme er aus den Überlegungen, die Gott vor der Versöhnung angestellt hat. Oder eher nicht Überlegungen, sondern es klingt, als müsse er erst mal mit seinen eigenen Gefühlen klarkommen. Weiterlesen

In Jesu Hand einschlagen oder sie ans Kreuz nageln

 

Liebe Gemeinde,

sich nicht beschenken lassen können, das ist schon tragisch. Aber vielleicht auch weitverbreitet? Ein ernstes Problem für sie vermutlich, sonst hätte sie es vielleicht nichts ins Forum geschrieben. Was ihr die Leute da wohl geraten haben in ihren Antworten?

Wir sind in die Passionszeit gestartet. Gott hat den Menschen nicht nur ein Geschenk übergeben, sondern er hat sich selber hingegeben. Hat sich dem Äußersten ausgesetzt, hat es überwunden, und jetzt können wir leben. Ohne der Macht des Todes einfach ausgesetzt zu sein. Und Tod, das ist alles, das Weiterlesen