Auf dem Weg zur Vollendung 3: Frieden und Feigen

Liebe Gemeinde,

diese Predigt für den heutigen Sonntag war schon fertig. Einmal noch wollten wir miteinander Gottesdienst feiern und dann bis auf weiteres alle Gemeindeveranstaltungen absagen. Dann kam die Nachricht: Alle Versammlungen jetzt schon ab 50 Personen sind verboten. Auch diesen Gottesdienst mussten wir also absagen.

Krise heißt übersetzt Entscheidung. Zeiten der Krise sind Zeiten der Entscheidung. Jeden Tag gilt es sich in einer Krise zu entscheiden: für oder gegen die Hoffnung. Und damit meine Hoffnung eine Hoffnung für alle ist, zugleich: für oder gegen die Liebe.

Deswegen diese Predigt hier gerade jetzt. Hört hinein in euch, in welche Ängste sie spricht; und in welche Versuchungen jetzt, Euch selbst die Nächsten zu sein:

„Auf dem Weg zur Vollendung“ heißt unsere kleine Reihe in dieser Passionszeit. Schlechte Nachrichten hören wir viele, gute selten. Aber wohin geht die Reise wirklich? Die Bibel hat dafür viele Bilder. Es sind Bilder, die uns in die Zukunft Gottes locken wollen. Bilder der Vollendung.

Es sind Bilder, die uns auf eine Reise schicken wollen. Eine innere Reise der Vorfreude Weiterlesen

Steh auf und geh!

Liebe Gemeinde,

Aufsteh-Geschichten also haben wir heute viele gehört. Aufsteh-Geschichten aus Simbabwe, vom Weltgebetstag. Aufsteh-Geschichten aus der Bibel, Aufsteh-Geschichten, an den Jesus beteiligt ist. Und schließlich gehen wir gerade auf die eine große Aufsteh-Geschichte zu, so einzigartig, dass man zur Unterscheidung zwei Buchstaben eingefügt hat und es wurde eine Aufersteh-Geschichte.

Und seitdem gilt: Jede einzelne Aufsteh-Geschichte speist sich aus diesem einen Auferstehen. Denn wie der Apostel im Brief an die Epheser schreibt: Dieselbe Kraft, die Jesus hat  auferstehen lassen, die wirkt nun auch in uns.

Ich weiß gar nicht, wusstest du das? Auferstehungskraft in dir? Neues Leben, neu lebendig werden aus der Kraft des Heiligen Geistes, aufstehen, auferstehen, sich aufmachen in der Kraft Gottes, sein Leben führen nach seinem Wesen und Willen – ich meine, schafft Gottes Kraft das in uns? Weil, Weiterlesen

Passion: Wenn aus Worten Taten werden

Liebe Gemeinde,

Passionszeit, das ist die Zeit, in der wir zusehen können, wie aus Worten Taten werden. Und was mich dabei besonders interessiert: wie aus den Worten Jesu seine Taten werden. Denn wir verkündigen hier Evangelium, gute Nachricht. Nicht blauäugig, ja gefährlich naiv, wie der Tagesspiegel-Kommentator zur Aktion „7 Wochen ohne Pessimismus“ meinte. Sondern regelrecht im aktiven Widerstand gegen Ausgrenzung und Hass.

Aus Worten werden Taten. Die Bibel selbst ist Weiterlesen

Auf dem Weg zur Vollendung 2: Leben im Sabbatismus

Liebe Gemeinde,

in unserer Reihe bis Ostern sind wir auf der Suche nach dem, was uns verheißen ist. Wir sind auf der Suche nach dem, wohinein sich alles vollenden wird. Wohinein Gott diese Welt verwandeln wird.

Wir suchen danach am Ende einer Woche, in der wir stattdessen ahnen, was uns in nächster Zeit blühen könnte. Rechtsextremer Terror, inspiriert und befeuert von seinen politischen Vertretern, denen der Bürgerkrieg gerade recht käme. Da ist alles, was wir anderen an Zukunft suchen, schnell ganz einfach: einfach nur Ruhe wäre toll.

Und trotzdem und gerade jetzt wollen wir hier weitersuchen, nach dem, was Gott sich für uns als Zukunft gedacht hat. Wir suchen danach, um uns darauf vorzufreuen. Wir suchen danach, um unser Leben jetzt schon darauf auszurichten. Wir wünschen uns, Weiterlesen

Auf dem Weg zur Vollendung 1: Werden wie Gott

Liebe Gemeinde,

ich lese Euch mal gleich die Worte vor, die ich heute mit Euch bedenken will. Es sind nicht die aus der Predigtordnung. Die lassen wir in dieser Passionszeit mal beiseite. Hört mal stattdessen aus dem ersten Johannesbrief:

Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes – und wir sind es tatsächlich! Aber die Welt weiß nicht, wer wir sind, denn sie hat Gott nicht erkannt. Ihr Lieben, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir einmal sein werden, ist noch gar nicht sichtbar. Wir wissen jedoch: Wenn es sichtbar wird, werden wir Gott ähnlich sein. Denn dann werden wir ihn sehen, wie er wirklich ist. Und wer das voller Hoffnung von Gott erwartet, hält sein Leben rein so wie er [gemeint ist hier Jesus] rein ist.

Wir biegen jetzt immer mehr in die Passionszeit ein, in anderthalb Wochen ist Aschermittwoch. Man könnte jetzt also sagen: Es wird erst einmal alles schlimmer mit Jesus.

Und irgendwie würde das zu der Stimmung passen, in die ich leider manchmal gerade gerate. Seit der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen. Wird es jetzt auch mit Deutschland erst einmal immer schlimmer?

Ihr wisst ja, dass ich das kleine Licht, das ich da draußen bin, trotzdem scheinen lassen will und mich wenigstens ab und zu bei Twitter oder Facebook beteilige. Immer wieder ist da etwas, wogegen man was sagen muss. Aber was ich unbefriedigend finde, das ist genau das: dass das oft nur gegen etwas ist. Selten mal für etwas. Weiterlesen

Die Kraft des Mitgefühls und der Fürsorge

 

Liebe Gemeinde,

wir feiern heute den 3. Sonntag vor der Passionszeit. Wir befinden uns in der Vorfastenzeit. Die alten Kirchenväter empfehlen, dass wir uns auf die Fastenzeit vorbereiten, indem wir darüber nachdenken, worauf wir in der Fastenzeit verzichten möchten. Dieser Verzicht, dieses Fasten im biblischen Sinn bedeutet, sich mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung auseinanderzusetzen.

Die Fastenzeit dient dazu, darüber nachzudenken, ob wir wirklich alles brauchen, was wir haben und ob wir verantwortungsvoll mit dem umgehen, was Gott uns zur Verfügung gestellt hat. Dies schließt auch den Umgang mit Menschen ein.

Der Text über den ich heute predige, steht im Hesekiel 34 und er thematisiert das Thema „Verantwortung gegenüber Gottes Welt“ sehr deutlich. Weiterlesen

Jesus: Kind in der Krippe, sprechende Statue

Liebe Gemeinde,

unsere Lesungen bisher: Gott in Herrschaft und Macht; Jesus, im blendenden Licht verherrlicht auf dem Berg; Jesus als Licht in uns als sehr gebrechliche Gefäße. Ein Jesus fehlt noch. Das Ende der Geschichte, sozusagen. Von ihm erzählt Johannes in seiner Offenbarung. Sie komplettiert unsere Lesereihe in diesem Gottesdienst.

Ich, Johannes, teile als euer Bruder alles mit euch, was uns wegen Jesus widerfährt: das Leid, die Herrschaft, die Standhaftigkeit. Ich war auf der Insel, die Patmos genannt wird, wegen Gottes Wort und als Zeuge für Jesus. Am Tag des Herrn ergriff der Geist Gottes von mir Besitz. Und ich hörte eine laute Stimme hinter mir, die klang wie einer Posaune. Die Stimme sagte: „Schreibe in ein Buch, was du siehst, und schicke es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und nach Laodizea!“
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Raus aus der Blase und rein ins Reich Gottes!

Liebe Gemeinde,

das Problem mit den Bibelgeschichten ist oft das gleiche wie mit anderen Geschichten auch: Sie erzählen kurz und knapp. Jedenfalls im Verhältnis zu dem, was sie erzählen. Dass in einem Menschen zum Beispiel ein Gedanke reift, das dauert oft ewig, bis dieser Gedanke so weit fertig ist, dass er ihn in die Tat umsetzt. Oder dass ein Mensch eine Reise macht, die Tage, Wochen dauert, das ist dann in zwei Zeilen erzählt, für die man keine Minute braucht. Das geht so schnell wie wenn Kinder Rollenspiele spielen und es mal eben lapidar heißt: „Nächster Morgen!“

Aber warte, warte, möchte man rufen, da liegt ein Abend dazwischen, eine Nacht, da arbeitet die Seele, da wird geträumt, die Erde dreht sich, es wird kalt, wieder wärmer, das ist doch alles nicht egal!

Wie soll man nachvollziehen können, dass sich etwas geändert hat, und was das wirklich im Tiefsten bedeutet, wenn man nicht ansatzweise nachvollzieht, wie lange das gedauert hat und was da alles passiert ist? In der Schöpfungsgeschichte ging doch alles damit los, dass Gott Zeit und Raum schuf. Und jeder, der von einer Reise zurückkommt und sagt „Ich bin noch gar nicht wirklich wieder angekommen“, der weiß, wovon hier die Rede ist.

Auch die Bibel also erzählt Weiterlesen

Dürre? Nicht auf Gottes Wegen!

Liebe Gemeinde,

normalerweise feiern wir ja in dieser Zeit im Januar noch ein wenig weiter Weihnachten. Epiphanias war am 6. Januar, das Erscheinungsfest. Noch zwei Wochen werden im Kirchenjahr die Gottesdienste nach Epiphanias durchgezählt. Epiphanias, da erschien was, das Licht kam in die Welt! Johannes in seinem Evangelium huldigt ihm: „Er war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet!“ Das wahre Licht. Das Licht der Wahrheit. Das Licht, das die Wahrheit ans Licht bringt.

Dies „Licht scheint in die Finsternis.“ So viele Sonntage nach Epiphanias, da können wir auch einen für die Finsternis verwenden. Weiterlesen

Der Himmel reißt auf – über Jesus neben uns für uns

Liebe Gemeinde,

das Jahr ist noch jung. Und doch hat die Welt schon ihren ersten Todesfall, den iranischen General, und deswegen noch viele andere, und einen ersten Todesfall hatten wir als Gemeinde auch. Und die Welt ist in Angst vor einem kriegerischen Flächenbrand so groß wie der echte in Australien. Und als Gemeinde und mehr noch Lia und ihre Familie bitten wir: Hilf uns durch diese Zeit hindurch, in der wir Abschied nehmen, uns verlassen fühlen und uns fragen, wie es jetzt weitergehen wird.

Wir glauben; aber hilf trotzdem unserem Unglauben, unserem Zweifel, unserer Angst. Sagt die Welt. Sagen wir. Weiterlesen