Es kommt: Jesus, mein Licht (1. Advent)

Liebe Gemeinde,

in einem Weihnachtsgedicht heißt es: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch verloren.“ Lost heißt verloren auf Englisch. Lost wurde zum Jugendwort des Jahres 2020 gewählt. Verloren sein, sich nicht mehr auskennen, gerade keinen Durchblick mehr haben. Wo kommt die Erleuchtung her? Wer findet einen und nimmt einen an die Hand? Advent heißt: Christus kommt und schenkt sich uns genau dafür.

In diesen Wochen rund um Weihnachten möchte ich mit Euch über die sieben Ich-bin-Worte Jesu nachdenken. Mir ist in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden: der christliche Glaube ist Beziehung, Beziehung zwischen Jesus Christus und mir und dir und uns und ihm.

Und in den Ich-bin-Worten sagt Jesus nicht einfach etwas über sich selbst. Sondern die sieben Ich-bin-Worte, das sind sieben Beziehungsangebote Jesu an uns. „Das und das möchte ich dir werden.“

Und wir beginnen mit dem Wort, mit dem sich auch sehr schön der leuchtende Advent beginnen lässt. Jesus sagt: Weiterlesen

„Komm, ich wisch dir die Tränen ab, und hier, trink ein wenig“ (Ewigkeits-Sonntag)

Liebe Gemeinde,

ein Ewigkeits-Sonntag in Corona-Zeiten. Wenn wir fragen „Wie lange noch?“ und auf die Rettung warten, den Impfstoff, der uns aus dieser Starre erlöst. Und mit wachsender Ungeduld hört man denen zu, die sagen: „Ja, aber dann müssen erst einmal Transport und Verteilung geklärt sein, und bis dann so viele geimpft sind, dass wir alle Maßnahmen wieder aufheben können, wird es noch viele Monate dauern.“ So lange noch?

„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ – aber bis wir aus diesem Albtraum aufwachen, dauert wohl noch. Oder ist sie schon erklungen, diese Stimme? Und kam vielleicht nur nicht aus Forschung oder Politik? Sondern von unserem Herrn?

Zum Beispiel jeden Morgen, wenn er uns weckt in einen Tag der Liebe zwischen uns und ihm? Unter welchen Umständen auch immer? Auf dass wir abends sagen können: „Wir haben überwunden, seine Liebe hat überwunden, was sich zwischen ihn und uns stellen wollte“?

Oder haben unsere Verstorbenen diese Stimme gehört „Wach auf!“, als sie geweckt wurden in die Ewigkeit hinein? Denn sie Weiterlesen

Vom Wert der Freundschaft

Liebe Gemeinde,

den Wert der Freundschaft kann man in diesen Tagen und an einem Tag wie diesem vielleicht gar nicht hoch genug besingen.

Zum einen weil in Zeiten der Not ein Freund, eine Freundin zum wichtigsten gehört, was man haben kann. Kanzler Kurz sagte seinen Österreichern jetzt: „Jeder Kontakt ist einer zu viel“ und wir spüren wohl alle die Brutalität, die in diesem Satz liegt. Und allen, die alleine leben, sagt er: „Suchen Sie sich 1 Menschen für die nächsten Wochen, 1 Menschen zum Kontakthaben, mehr nicht.“ Glücklich, wer da einen guten Freund, eine gute Freundin hat!

Zum anderen ist heute Volkstrauertag. Menschen haben in den Kriegen dieser Welt nicht nur Familie verloren, sondern auch viele gute Freunde. Krieg zerreißt die sozialen Netze, in denen wir leben. Durch den Tod oder auch nur, weil er Menschen auf unterschiedliche Seiten zwingt und Propaganda in die Seelen dringt.

Freundschaft. Das Kirchenjahr nähert sich seinem Ende. Zum Ende wird’s oft wesentlich. Im Bibelwort heute erzählt auch Jesus vom Wert der Freundschaft. Wenn auch irgendwie überraschend. Weiterlesen

In der Krise sich für die Zukunft entscheiden

Liebe Gemeinde,

es fühlt sich nicht schön an, das Leben in Zeiten von Corona. Und meine Botschaft heute lautet: Glaubt nicht, es geht bald vorbei. Glaubt aber auch nicht, es geht nie vorbei. Glaubt stattdessen Gott, der euch sagt: Ich habe eine gute Zukunft für euch!

Was immer ihr jetzt fühlt angesichts dieser Botschaft – das fühlten auch Weiterlesen

Wie Menschen Gottes sind in der Welt: souverän und frei, betend und liebend

Liebe Gemeinde,

die Zahlen steigen, die Maßnahmen werden wieder strenger, die mahnenden Worte eindringlicher. Wieder wächst das Gefühl: die normalsten Dinge unseres Lebens werden uns verboten. Die Bereitschaft zur Einschränkung variiert nach Temperament. Manche sagen: Wir wollen doch einfach wieder nur normal leben!

Auf eine gewisse Weise passt die biblische Geschichte, die uns für heute vorgeschlagen ist, ganz gut dazu. Ich lese aus Weiterlesen

Zürnt! Aber sündigt dabei nicht.

Der Perikopentext für den heutigen Sonntag steht im Epheserbrief,  in Epheser 4, 22-32.

In meiner Bibel (Einheitsübersetzung) steht einleitend der Hinweis, dass dieser Brief von Paulus an die Epheser gar nicht von Paulus ist. Er verkündige aber paulinische Theologie. Die persönlichen Hinweise am Briefende, dass Paulus diesen Brief aus der Gefangenschaft schreibe, sollen dem Brief mehr Autorität  geben.

Es ist  doch wunderbar, dass so etwas einleitend in unseren heiligen Büchern steht und stehen darf, die gleichzeitig unsere Richtschnur sind, und in aller Menschlichkeit Gottes Wort an uns heute.

Um das – letzteres – zu unterstreichen, hat Hans Lilje, der erste Hannoversche Bischof nach dem Krieg, seinen Vikaren im Loccumer Predigerseminar gesagt: „Vergessen Sie nie, dass nach der Verlesung des Predigttextes der Höhepunkt des Gottesdienstes bereits überschritten ist.“

Ich werde deshalb einige Bemerkungen  zum Bibeltext vor seiner Verlesung machen, um den Höhepunkt noch etwas hinauszuzögern. Weiterlesen

Überfluss ohne bitteren Nachgeschmack (Taufe)

Liebe Roya, liebe Gemeinde,

welche Wege Gott mit uns geht, bis wir bei ihm ankommen, das ist manchmal schon erstaunlich, oder? Wenn wir das sagen, meinen wir das meistens bildlich. Dann sprechen wir von inneren Wegen. Wo wir sonst so unser Glück gesucht haben, bis wir es bei Gott gefunden haben.

Und manchmal sagen wir dann eben: Gott hat mich auf dem ganzen Weg begleitet. Er hat mich die ganze Zeit nicht aus den Augen verloren. Er war immer um mich.

Manchmal stimmt das zusätzlich auch noch im realen Leben. In Royas Leben, zum Beispiel. Vom Weiterlesen

Dass der Glaube es nach Hause schafft (Erntedank)

Liebe Gemeinde,

Essen für alle! An Erntedank feiern wir, dass Gott als Schöpfer von allem und allen allem und allen zugesagt hat, sie zu erhalten. Was daran nicht klappt, liegt an uns Menschen, die den anderen das Manna klauen. Im Kleinen manchmal, im Großen der Weltwirtschaft als Prinzip, von dem wir leben.

Gott aber bleibt trotzdem treu. Die Geschichte von der Sintflut erzählt: auch der Bruch des Menschen mit Gott, auch das Misstrauen des Menschen, dass Gott wirklich alles Notwendige und Schöne für alle hat, auch dieses Misstrauen hat an Gottes Treue nichts geändert, denn er sagt, „ich werde nicht aufhören lassen Saat und Ernte.“

Erntedank: Jesus begründet mit dieser Haltung Gottes die Aufforderung, seinen Feind zu lieben, denn auch Gott lasse es regnen und scheinen auf Gute und Böse. Wie sollten wir da mit unserem Leben und mit unserer Liebe knausern.

Die biblische Erzählung für diesen Sonntag verbindet nun diese Treue des Schöpfers mit einer Wundertat Jesu. Aber sagen Wunder Jesu nicht immer auch etwas über das kreatürliche Leben hinaus? Weiterlesen

„Ich singe dir mit Herz und Mund“ – und zur Not auch erst einmal nur mit dem Mund

Liebe Gemeinde,

mit Herz und Mund singen. Ja, gerne, wenn wir denn dürften! Wenn man uns denn ließe!

In Corona-Zeiten singen wir vor allem mit dem Herzen, denn mit Mund singen dürfen wir noch nicht wieder wie vorher. Aber keine Sorge, der Herr, der ins Herz sieht, wird es trotzdem hören. Und wie sagte Dietrich Bonhoeffer einmal: Je inniger mein Gebet wurde, desto schweigsamer wurde es. So wie die Stille nach einem Konzert manchmal von größerer Ergriffenheit zeugt, als wenn alle gleich zu applaudieren anfangen.

Aber trotzdem: Was in mir ist, das will dann irgendwann auch hinaus. Ja, manchmal muss Weiterlesen