Zürnt! Aber sündigt dabei nicht.

Der Perikopentext für den heutigen Sonntag steht im Epheserbrief,  in Epheser 4, 22-32.

In meiner Bibel (Einheitsübersetzung) steht einleitend der Hinweis, dass dieser Brief von Paulus an die Epheser gar nicht von Paulus ist. Er verkündige aber paulinische Theologie. Die persönlichen Hinweise am Briefende, dass Paulus diesen Brief aus der Gefangenschaft schreibe, sollen dem Brief mehr Autorität  geben.

Es ist  doch wunderbar, dass so etwas einleitend in unseren heiligen Büchern steht und stehen darf, die gleichzeitig unsere Richtschnur sind, und in aller Menschlichkeit Gottes Wort an uns heute.

Um das – letzteres – zu unterstreichen, hat Hans Lilje, der erste Hannoversche Bischof nach dem Krieg, seinen Vikaren im Loccumer Predigerseminar gesagt: „Vergessen Sie nie, dass nach der Verlesung des Predigttextes der Höhepunkt des Gottesdienstes bereits überschritten ist.“

Ich werde deshalb einige Bemerkungen  zum Bibeltext vor seiner Verlesung machen, um den Höhepunkt noch etwas hinauszuzögern. Weiterlesen

Überfluss ohne bitteren Nachgeschmack (Taufe)

Liebe Roya, liebe Gemeinde,

welche Wege Gott mit uns geht, bis wir bei ihm ankommen, das ist manchmal schon erstaunlich, oder? Wenn wir das sagen, meinen wir das meistens bildlich. Dann sprechen wir von inneren Wegen. Wo wir sonst so unser Glück gesucht haben, bis wir es bei Gott gefunden haben.

Und manchmal sagen wir dann eben: Gott hat mich auf dem ganzen Weg begleitet. Er hat mich die ganze Zeit nicht aus den Augen verloren. Er war immer um mich.

Manchmal stimmt das zusätzlich auch noch im realen Leben. In Royas Leben, zum Beispiel. Vom Weiterlesen

Dass der Glaube es nach Hause schafft (Erntedank)

Liebe Gemeinde,

Essen für alle! An Erntedank feiern wir, dass Gott als Schöpfer von allem und allen allem und allen zugesagt hat, sie zu erhalten. Was daran nicht klappt, liegt an uns Menschen, die den anderen das Manna klauen. Im Kleinen manchmal, im Großen der Weltwirtschaft als Prinzip, von dem wir leben.

Gott aber bleibt trotzdem treu. Die Geschichte von der Sintflut erzählt: auch der Bruch des Menschen mit Gott, auch das Misstrauen des Menschen, dass Gott wirklich alles Notwendige und Schöne für alle hat, auch dieses Misstrauen hat an Gottes Treue nichts geändert, denn er sagt, „ich werde nicht aufhören lassen Saat und Ernte.“

Erntedank: Jesus begründet mit dieser Haltung Gottes die Aufforderung, seinen Feind zu lieben, denn auch Gott lasse es regnen und scheinen auf Gute und Böse. Wie sollten wir da mit unserem Leben und mit unserer Liebe knausern.

Die biblische Erzählung für diesen Sonntag verbindet nun diese Treue des Schöpfers mit einer Wundertat Jesu. Aber sagen Wunder Jesu nicht immer auch etwas über das kreatürliche Leben hinaus? Weiterlesen

„Ich singe dir mit Herz und Mund“ – und zur Not auch erst einmal nur mit dem Mund

Liebe Gemeinde,

mit Herz und Mund singen. Ja, gerne, wenn wir denn dürften! Wenn man uns denn ließe!

In Corona-Zeiten singen wir vor allem mit dem Herzen, denn mit Mund singen dürfen wir noch nicht wieder wie vorher. Aber keine Sorge, der Herr, der ins Herz sieht, wird es trotzdem hören. Und wie sagte Dietrich Bonhoeffer einmal: Je inniger mein Gebet wurde, desto schweigsamer wurde es. So wie die Stille nach einem Konzert manchmal von größerer Ergriffenheit zeugt, als wenn alle gleich zu applaudieren anfangen.

Aber trotzdem: Was in mir ist, das will dann irgendwann auch hinaus. Ja, manchmal muss Weiterlesen

„Lasst die Kinder zu mir kommen!“, auch die inneren (Kindergarten-Gottesdienst)

Liebe Gemeinde,

dafür ist Jesus hoffentlich bekannt bei euch: dass er der Freund derer ist, die leicht übersehen werden. Weil sie klein sind und leise. Oder kleingemacht und zum Verstummen gebracht. In Jesu Gesellschaft waren das: Frauen zum Beispiel. Kollaborateure, Prostituierte. Oder eben Kinder.

Und immer wurde er deswegen vom bürgerlichen Mainstream angefeindet. Also von Leuten wie uns. Wenn wir nicht Christen wären. Oder wenn manches von dem, was er gelebt hatte, nicht inzwischen in den Mainstream eingeflossen wäre. Manches zumindest.

Wie das mit den Kindern, zum Beispiel. Kinder werden heute Weiterlesen

Wo der heilige Geist wohnt

Liebe Gemeinde,

Paulus fragt die Gemeinde in Korinth: Wie wollt ihr Gemeinde sein? Was soll wichtig sein? Was soll man erleben können bei euch? Und was können die dazu beitragen, die etwas dazu beitragen? Er schreibt:

Wir [also Paulus und Apollos und Petrus, die Menschen von Einfluss in der Gemeinde], wir sind also Gottes Mitarbeiter. Aber ihr seid Gottes Ackerland – oder besser: Gottes Bauwerk. Weil Gott mich in seiner Gnade dazu befähigt hat, konnte ich als weiser Bauleiter das Fundament legen. Jetzt baut ein anderer darauf weiter. Aber jeder sehe, wie er weiterbaut. Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das schon gelegt ist. Und das ist Jesus Christus. Weiterlesen

Richtig Sünder sein

Liebe Gemeinde,

in unserem Urlaub in Schleswig-Holstein waren wir in einer Gaststätte, die behauptet, bei ihnen wäre der Pharisäer erfunden worden. Das fanden wir überraschend. Als Bibelleser weiß man: ein Pharisäer, das ist einer von diesen fiesen Gegenspielern Jesu. Und Jesus und die, die sind ganz sicher nicht an Schleswig-Holsteins Nordseeküste aufeinandergestoßen, das wussten wir genau.

Bis wir uns erinnerten: Pharisäer, das ist diese Kaffee-Erfindung mit Weiterlesen

Gemeinschaft des Ölbaums

Liebe Gemeinde,

man muss schon irgendwie ein Experte sein, um darauf zu kommen, wie Pomologie und der Glaube zusammenhängen. Pomologie, das ist die Lehre vom Obstanbau. Welche Sorten wie wo was für einen Ertrag bringen, wie sie miteinander verwandt sind, so Sachen. Und auch: Wie man sie immer noch weiterentwickeln kann.

Also, wer das gleich mit dem Glauben verbinden kann, ist vermutlich schon ein wenig tiefer eingestiegen in den Glauben und in die Bibel. Und weiß dann vielleicht auch schon, warum wir von der Pomologie ausgerechnet am Israel-Sonntag sprechen. Es geht um Oliven. Weiterlesen

Wenn es im Glauben um richtig oder falsch geht, statt um Gerechtigkeit und Liebe

Liebe Gemeinde,

„schlimmer als blind zu sein, ist sehen zu können und keine Vision zu haben“ – so haben wir eben von der taubblinden Helen Keller gehört. Sie zeigt uns andererseits auch, dass man blind sein und trotzdem eine Vision aufs Leben haben kann. Andrea hat uns ein klein wenig mit unseren geistigen Augen hineinblicken lassen in das, was Helen Keller bewegt hat.

Die biblische Geschichte, die wir heute miteinander betrachten wollen, erzählt auch von einem blinden Menschen. Und von denen, die ihn sehen und falsche Schlüsse ziehen, weil sie eine falsche Vision von Gott im Kopf haben. Weiterlesen