Gott als Marktschreier – ein bisschen peinlich?

Liebe Gemeinde,

offen für die Bedürfnisse der Menschen ist Jesus, haben wir eben gehört. „Kommt her zu mir, ich will euch erquicken!“, ruft er. Und wenn ich da an unseren Predigttext heute denke, dann denke ich: Offen für unsere Bedürfnisse ist auch die Werbung.

Wenn ich mal in Ländern bin, in denen ich nicht nur die Sprache nicht spreche, sondern auch die Schrift nicht lesen kann, und wenn ich dann zurückkomme, dann fällt mir auf: Wie erholsam war es da!

Denn in den Straßen dieses Landes hat mich die Werbung nicht anschreien können. Werbungsmäßig war ich da wie in einem Stummfilm unterwegs. Ich sehe sie brüllen, man weiß ja, wie Werbung aussieht. Aber hören tue ich nichts. Es sieht nach Werbung aus, aber sie bleibt stumm und ich weiß nicht, was sie von mir will.

Zurück in Deutschland, ist das wieder anders. Da verstehe ich leider wieder alles. Der Markt lebt von mir und kämpft um mich. Überwältigen will er mich, oder mit Geschick kriecht er in meine Seele. Er spielt mit meinen Bedürfnissen. Und manchmal trickst er mich aus.

Heiß ist es heute. Wasser ist das, was wir heute vor allem brauchen. Weiterlesen

„Was für ein Vertrauen“

Liebe Gemeinde,

„Was für ein Vertrauen!“ Das war das Motto des evangelischen Kirchentags in Dortmund. Jetzt gerade geht er zu Ende. Hat er Vertrauen gestiftet? Fahren Menschen vertrauensvoller wieder nach Hause? Und in was haben sie dann mehr Vertrauen als vorher?

„Was für ein Vertrauen!“ Muss dieser Jesus gehabt haben, dass ihm seine Ehre so wenig wichtig war, wie wir es eben in dem Gebet von Jörg Zink gehört haben. Auf was hat er so vertraut, in wen hat er so vertraut? „Allein auf Gottes Wort“, wie es der Chor gesungen hat? Wie ist ihm das aber zu so einer Kraft geworden?

Das Kirchentags-Motto, es stammt aus der Bibel. Und da steht es in einem Zusammenhang. Nämlich steht da der mächtige Sanherib von Assyrien vor den Toren Jerusalems und verhöhnt Weiterlesen

Die Antwort auf die Not ist: Gemeinschaft

Liebe Gemeinde,

Brot für alle – das ist heute in diesem Gottesdienst ein Gedanke, der für Euch Eltern vielleicht auch ein wenig überraschend kommt. Denn stehen heute nicht erst einmal Eure Kinder im Mittelpunkt? Ist es nicht die Zukunft von Eurem Kind, an die Ihr heute denkt? Weiterlesen

Glauben heißt: staunen und mittanzen

Liebe Gemeinde,

für mich ist das wieder mal ein ganz normaler Sonntag. Nach der Teenie-Freizeit vor drei Wochen, dem Wochenende mit den Stettinern vor zwei Wochen, dem 14er-Gottesdienst, Benedictio quattordecim, vor einer Woche und dann am Abend das wunderbare Jubiläums-Konzert mit dem Shalom-Chor. Und vor unserer Pfingstfreizeit in der kommenden Woche.

Heute ein ganz normaler Sonntag. Zeit, um mal innezuhalten. Und dankbar zu staunen im Blick auf das, was uns als Gemeinde da alles geschenkt wurde. Und nicht nur zurückzublicken wie auf ein tolles Vereinsleben. „Was haben wir alles hinbekommen und wie toll haben wir uns die Zeit vertrieben!“

Sondern zurückzublicken und darüber zu staunen, womit Gott uns in diesen Tagen beschenkt hat: Weiterlesen

Der vierfache Kämmerer. Und welcher Typ bist du?

Liebe Gemeinde,

auf der Teenager-Freizeit haben wir darüber nachgedacht, wie man Entscheidungen fällt. Was muss man wissen, auch über sich selbst? Was denkt und glaubt man, über sich selbst und die Welt? Und was für ein Typ ist man eigentlich? Denn unterschiedliche Typen treffen ihre Entscheidungen auf unterschiedliche Weisen.

Wir haben das eben in dem Anspiel angedeutet gesehen: Wenn es um Entscheidungen geht, dann sind wir Wale oder Haie, Eulen oder Delphine. So hat uns Katja das am ersten abend unserer Freizeit vorgestellt. Nämlich:

Der Delphin ist Weiterlesen

Die Schöpfer-Gott-Mutter und ihr großes Ja

Liebe Gemeinde,

heute ist ein ganz besonderer Gottesdienst und Tag im Jahr und Kirchenjahr. Im Kirchenjahr der Sonntag „Jubilate“, bei dem wir singend jubeln über die Herrlichkeit Gottes und seiner Schöpfung. Weltlich ist heute Muttertag, ein von Floristinnen und Floristen geschätztes Event. Trotz politischer Verwicklungen ist dieser Tag in Familien immer höchst populär geblieben – ob der Frauentag, der ja nun in Berlin staatlicher Feiertag geworden ist, ihm Konkurrenz machen kann, muss sich erst zeigen.

„Wenn du noch eine Mutter hast, / So danke Gott und sei zufrieden …“

heißt es in einem ziemlich gefühligen Gedicht aus dem 19. Jahrhundert. Jesus hätte dieses Gedicht Weiterlesen

Hirtenversagen?

Liebe Gemeinde,

im Allgemeinen scheint man mit den Hirten heutzutage eher wieder unzufriedener zu sein. Selten waren so viele Menschen auf den Straßen bei Demonstrationen unterwegs wie im Augenblick. Sie alle klagen an: Hirtenversagen. Zu viele Flüchtlinge. Merkel hat versagt. Zu viel CO2. Die Elterngeneration hat versagt. Wer auf uns aufpassen sollte, hat seinen Job nicht ordentlich gemacht. Sind wir ihnen egal, wir armen Einheimischen, wir Kinder?

Und dann die verstörenden Nachrichten aus Brandenburg: In keinem anderen Bundesland gibt es so wenige Ärzte. Und in keinem anderen Bundesland gibt es so viele Wölfe. Wenn mich nun höchstwahrscheinlich ein Wolf beißt, gibt es höchstwahrscheinlich keinen Arzt für mich. Was wird nur aus uns? Wer hat da seinen Job nicht gemacht?

Zeit für einen guten Hirten! Aber wer soll’s machen? Weiterlesen

Neues Leben auf dem Friedhof des Glaubens (Ostern)

Liebe Gemeinde,

wie leben mit dem Auferstandenen? Die Jünger von Emmaus sahen und hörten ihn und dann war er wieder weg, und sie blieben zurück mit einem brennenden Herzen. Paulus hörte ihn, sah ihn nicht, aber spürte ihn umso stärker. Der zweifelnde Thomas durfte seine Finger in die Wundmale legen, ob er es tat, wissen wir nicht. Jedenfalls erzählt Johannes nichts davon. Nur dass Jesus sagt: Glücklich, wer nicht sieht und doch glaubt.

Und wir? Eben hörten wir von Jörg Zink die Worte: „Als alle Dinge / in der Mitte des Schweigens standen, / da kam vom göttlichen Thron, / O Herr, dein allmächtiges Wort.“

Die Mitte des Schweigens. Begegnet uns der Auferstandene vor allem dort? Die Mitte des Schweigens. Das finde ich eine interessante Beschreibung. Ein bisschen wie in der Mitte der Nacht. Was heißen soll: da ist es am dunkelsten. Also beim Schweigen: da ist das Schweigen am tiefsten, da sind Worte am weitesten entfernt.

Mitte, das bedeutet aber auch: Es gibt einen Anfang und ein Ende. Sonst gäbe es keine Mitte. Weiterlesen

Unterm Kreuz ist Frieden (Karfreitag)

Liebe Gemeinde,

dass Jesus gestorben ist und wie er gestorben ist, das berührt die, die Christus lieben: die Frauen unter dem Kreuz, die Jünger, uns. Was dieser Tod zu bedeuten hat, warum und wozu, darüber hat die Gemeinde außerdem seitdem nachgedacht. Und sie wird es wohl auch weiterhin tun. Denn so furchtbar ist dieses Geschehen, dass jede Zeit und jeder Christ, jede Christin einen eigenen Weg finden muss, damit umzugehen.

War Jesus vielleicht einfach ein Märtyrer? Ein Opfer für Schuld? Die Tür ins ewige Leben? Oder was sonst? Kein Rätsel, das man löst, ist das. Sondern ein Geheimnis, das man umkreist, erkundet.

Manche steigen irgendwann aus und sagen: Das ist doch alles Unfug. Und einen Gott, der so etwas gewollt haben sollte, an den kann ich nicht glauben.

Andere gehen da wieder anders ran. Sie sagen: Seitdem ich Christ bin, Christin bin, hat sich etwas verändert. Und so etwas wie diese Gemeinde habe ich auch noch nicht erlebt. Hat das vielleicht etwas mit dem Kreuz zu tun? Wo das doch irgendwie im Mittelpunkt dieses Glaubens steht?

So machen es auch die im biblischen Ephesus. Weiterlesen