Der vierfache Kämmerer. Und welcher Typ bist du?

Liebe Gemeinde,

auf der Teenager-Freizeit haben wir darüber nachgedacht, wie man Entscheidungen fällt. Was muss man wissen, auch über sich selbst? Was denkt und glaubt man, über sich selbst und die Welt? Und was für ein Typ ist man eigentlich? Denn unterschiedliche Typen treffen ihre Entscheidungen auf unterschiedliche Weisen.

Wir haben das eben in dem Anspiel angedeutet gesehen: Wenn es um Entscheidungen geht, dann sind wir Wale oder Haie, Eulen oder Delphine. So hat uns Katja das am ersten abend unserer Freizeit vorgestellt. Nämlich:

Der Delphin ist impulsiv und bei allem dabei, was fröhlich ist. Der Hai sucht Beute, er entscheidet sich für das, was sich für ihn lohnt. Der Wal mag keine einsamen Entscheidungen, er ist glücklich, wenn es die anderen auch sind. Und die Eule, die prüft und wägt ab, und wenn etwas Sinn macht, dann ist sie dabei!

Eines eint sie alle vier: Am Ende wollen alle Freude spüren über ihre Entscheidung. Aber worüber sie sich dabei freuen, das ist eben ganz unterschiedlich. Und das ist dann auch im Glauben so.

Und was für ein Typ war eigentlich der Kämmerer aus dem Morgenland? So wurde er früher genannt. Der Finanzminister aus Äthiopien wäre er heute. Wie ich auf den jetzt komme? Ich komme auf ihn, weil er auf der Freizeit unser Beispiel-Entscheider war. Und wie hat er entschieden, nach welchem Typ? Schauen wir mal. In Apostelgeschichte 8 lesen wir:

Philippus erhielt vom Engel des Herrn den Auftrag. „Steh auf! Geh nach Süden zu dem Weg, der von Jerusalem nach Gaza führt und menschenleer ist.“ Philippus stand auf und ging dorthin. Und sieh doch: Dort war ein Äthiopier unterwegs. Er war Eunuch und hoher Beamter am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien. Er verwaltete ihre Schatzkammer und war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten.

Jetzt war er auf der Rückreise. Er saß in seinem Wagen und las im Buch des Propheten Jesaja. Der Heilige Geist sagte zu Philippus: „Geh hin und bleibe in der Nähe des Wagens!“ Philippus lief hin und hörte, wie der Mann laut im Buch des Propheten Jesaja las. Philippus fragte: „Verstehst du auch, was du da liest?“ Der Eunuch sagte: „Wie soll ich es verstehen, wenn mir niemand hilft?“ Und er bat Philippus: „Steig auf und setz dich zu mir!“

An der Stelle, die er gerade las, stand: „Er ertrug alles, ohne zu klagen – wie ein Schaf, das zum Schlachten geführt wird, und wie ein Lamm, das beim Scheren keinen Laut von sich gibt. Er wurde zutiefst erniedrigt, doch das Urteil gegen ihn wurde aufgehoben. Wer wird je seine Nachkommen zählen können? Denn sein Leben wurde von der Erde weg zum Himmel emporgehoben.“ Der Eunuch fragte Philippus: „Bitte sag mir, von wem spricht der Prophet hier? Von sich selbst oder von einem andern?“ Philippus nahm die Frage auf. Ausgehend von dem Wort aus Jesaja, verkündete er ihm die Gute Nachricht von Jesus.

Als sie auf der Straße weiterfuhren, kamen sie an einer Wasserstelle vorbei. Der Eunuch sagte: „Sieh doch, dort ist eine Wasserstelle. Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?“ Er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Eunuch, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte ihn. Als sie aus dem Wasser herausstiegen, wurde Philippus vom Geist des Herrn fortgenommen. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Aber er setzte seinen Weg voller Freude fort.

Das Schöne ist jetzt: Wir haben das nur als gedruckte Geschichte, nicht als Film. Deswegen haben wir alle Freiheit, uns diesen Typen vorzustellen. Deswegen mögen es manche ja nicht, wenn ihre Lieblingsbücher verfilmt werden. Weil plötzlich die Orte nicht mehr so aussehen und sich die Menschen nicht mehr so anhören, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Bei der Bibel wäre das sogar besonders schade. Denn sie wird für uns richtig lebendig, wenn wir uns mit unserer eigenen Fantasie vorstellen, was da erzählt wird. Am besten so, dass wir selber zu einer Figur in der Geschichte werden. Und wir von demselben ergriffen werden was die Menschen in den Erzählungen dort ergriffen, bewegt, geprägt, verändert hat.

Wir also haben alle Freiheiten, uns den Finanzminister vorzustellen. Und verschieden zu hören, wie er sein entscheidendes „Spricht etwas dagegen“ wohl gesagt hat. Und uns zu fragen: Welche Weise ist am ehesten auch meine?

„Spricht etwas dagegen“ – das klingt jetzt natürlich nicht wirklich nach einer kraftvollen Entscheidung. Später gab es dann auch welche unter denen, die diesen Text für die nächsten abgeschrieben haben, denen war das zu wenig. Die haben noch eingefügt, dass Philippus dem Minister ein Bekenntnis zu Christus in den Mund gelegt hat. Aber ursprünglich gehörte das nicht dazu. Ursprünglich hat Philippus vielleicht nur mit den Schultern gezuckt, dann haben sich beide aufmunternd angelächelt und der Minister wurde getauft.

Gut also noch mal, dass das hier kein Film ist, sondern ein Buch. So können wir leichter mit einsteigen. Und zwar egal, ob wir Hai, Wal, Delphin oder Eule sind. Auch unser Finanz-Minister hier hätte jeder von den vier Typen sein können. Sollen wir das mal ausprobieren? Wollt Ihr das mal anprobieren?

Fangen wir beim Hai an, das fällt am leichtesten. Von wegen Finanzhai und so.

Als Hai hat er die Reise nur deswegen angetreten, weil er sich reichen Gewinn davon versprach. Natürlich zuerst für sein Land. Die Route mit ihren tausenden von Kilometern hat er so gelegt, dass er unterwegs möglichst viele Geschäftspartner treffen könnte: gut für neue Aufträge für die heimische Wirtschaft oder neue Anlagemöglichkeiten.

Warum er sich nun in Jerusalem diese Buchrolle mit dem Propheten Jesaja gekauft hatte? Wissen wir nicht. Vielleicht, um im Gespräch mit einem Israeliten mal ein Zitat fallenzulassen und so ein Sympathiepunkte einzuheimsen, ein Türöffner in den nächsten Vertragsverhandlungen?

Oder war er gar nicht so ein Materialist, sondern ahnte, dass es mehr gibt zwischen und Himmel und Erde als man sehen und berechnen konnte?  Und als er Philippus so reden hörte über Jesaja und diesen Jesus, da stieg in ihm der Gedanke auf: Hey, das könnte mein Leben noch mal ganz anders voranbringen! Auszahlen könnte sich das für mein Innenleben!

Und dann eben hört sich das vielleicht ungefähr so an: „Da ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“ Und wenn nichts dagegen sprechen würde, dann mal sehen, was alles im Laufe der Zeit noch dafür sprechen würde. Diese Investition würde sich noch lohnen, für so etwas hatte er einen Riecher.

Der Hai-Kämmerer. Und, spricht das etwas an in Dir? Wenn ja, kannst Du Dich gerne hier ausklinken und dem betend weiter nachdenken.

Wenn nicht, dann hier die zweite Version: der Delphin-Minister.

Als ihn die Königin auf diese Reise schickt, macht er einen kleinen Luftsprung, innerlich natürlich, vor Königinnen springt man nicht.

Aber wie wunderbar – eine große Reise! Andere Länder, andere Menschen! Die Weltwunder in Ägypten, die Ruhe auf dem Nil, der Tempel in Jerusalem und das Treiben in den engen Gassen! Und die vielen fremden Menschen mit ihren vielen ganz fremden Geschichten! Er braucht unbedingt einen guten Dolmetscher, um nichts davon zu verpassen! Und bei so viel Spaß würden ihm die Geschäfte nebenbei leicht von der Hand gehen!

Und jetzt sitzt er da auf dem Rückweg und liest in diesem merkwürdigen Buch und lächelt überrascht vergnügt vor sich hin und denkt: „Ich verstehe ja überhaupt gar nichts, das ist ja lustig!“ Super, dass da gerade dieser Typ neben ihm herläuft und ihm anbietet, ihm das alles zu erklären. „Ja,  unbedingt, nur rauf mit dir!“

Und was der ihm dann von Jesaja und Jesus erzählt, das klingt nach so viel spannendem Leben! Und als sie an diesem Wasserloch da vorbeifahren, packt er den Philippus so plötzlich am Ärmel, dass der fast vom Wagen fällt, und dann hört sich das bei diesem quirligen Minister vielleicht so an: „Da ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“

Der Delphin-Minister. Und, spricht das etwas an in Dir? Wenn ja, dann kannst Du Dich gerne hier innerlich ausklinken bis zum Ende der Predigt und fröhlich betend weiter nachspüren, was sich so in dir bewegt.

Wenn nicht, dann hier die dritte Version: der Eulen-Minister. Er muss diese Reise erst mal gründlich planen. Vieles gibt es zu bedenken, viele Gefahren sollte er möglichst im Voraus schon abschätzen können. Schon mal auch die Begegnungen innerlich durchspielen, um nicht im unpassenden Moment auf dem Schlauch zu stehen.

Auch überlegt er sich vorher schon, worauf er besonders achten will unterwegs, um nachher seiner Königin auch einen relevanten Bericht abgeben zu können und nicht nur Dönekens erzählen zu müssen. Und als er dann unterwegs ist, macht er sich tatsächlich nach jeder Station Notizen.

In Jerusalem hat er sich diese Schriftrolle gekauft. Schriftrollen ziehen ihn immer magisch an. Oft wahre Fundgruben der Weisheit und Erkenntnis.

Diese hier ist aber eine harte Nuss. Die ganze Zeit liegt seine Stirn in Falten. So konzentriert ist er, dass er diesen Menschen neben sich erst gar nicht bemerkt hat. Aber wenn der ihm weiterhelfen kann, warum nicht. Und dann sitzen sie da und reden. Er fragt, der andere antwortet. Gemeinsam wägen sie Worte hin und her. Stundenlang geht das. Zwischendurch denkt er: Will sein Gast eigentlich gar nicht selber irgendwohin? Und was für eine Wendung hat seine eigene Reise eigentlich jetzt plötzlich genommen, also, seine innere?

Irgendwann ist alles abgewogen und bedacht. Da kommen sie an einem Tümpel vorbei. Und genaugenommen fragt er mehr sich selber als seinen Mitfahrer und vielleicht klingt das bei ihm so: „Da ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“

Der Eulen-Minister. Und, spricht das etwas an in Dir? Wenn ja, dann kannst Du Dich gerne hier innerlich ausklinken bis zum Ende der Predigt und betend weiter nachsinnen, wohin das alles wohl noch führen könnte.

Wenn nicht, dann hier die letzte Version: der Wal-Kämmerer.

Als er von seiner Königin hört, dass er auf diese große Reise gehen soll, überlegt er gleich, dass seine Frau gar nicht begeistert sein wird. Aber er hat ja noch ein paar Tage bis zum Aufbruch. Vielleicht kann er ihr noch helfen, ein bisschen Unterstützung zu organisieren. Am liebsten würde er sie ja mitnehmen, dann könnten sie diese tolle Reise zusammen machen. Aber das ging natürlich nicht.

Er freute sich aber auch darauf, unterwegs Freunde und Verwandte zu besuchen, die er ewig nicht mehr gesehen hatte. Und seine Frau würde sich freuen, wenn er nachher so viel von den anderen zu erzählen hätte. Man erfährt ja sonst selten was voneinander. Das war das Gute an diesen beschwerlichen Dienstreisen.

Und hier ist er nun schon wieder auf der Rückreise. Für die lange Fahrt hat er sich diese Schriftrolle aus Jerusalem mitgenommen. Selbst er kann nicht die ganze Zeit seinen Wagenlenker unterhalten. Schade nur, dass er nichts versteht von dem, was er da liest. Da läuft plötzlich dieser Mensch neben ihm. Der sagt, er hätte Freude daran, ihm das Buch zu erklären. Na prima, denkt unser Wal, dann haben wir ja beide was davon! Und er lädt ihn ein, neben ihm Platz zu nehmen.

Was er dann über diesen Jesaja und vor allem über Jesus erfährt, das lässt ihn ganz warm ums Herz werden. Was wäre das für eine Welt, in der alle so miteinander leben würden, wie der es verkündigt und selber ja auch gelebt hat. Als sie an einem Wasser vorbeikommen, zieht es ihn da plötzlich kräftig hin. Kurz überlegt er noch, ob er das jetzt nur seinem Gast zuliebe will. Nein, das will er jetzt schon selbst. Und wie soll er das zuhause seiner Frau erklären? Aber die wird schon merken, dass ihnen beiden das vielleicht sogar gut tun wird. Und dann klingt es bei unserem Wal-Minister vielleicht so, als er sagt: „Da ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“

Der Wal-Kämmerer. Und, spricht das etwas an Dir? Dann hast Du gleich immerhin noch das Interludium, um diesem Frieden in Dir nachzuspüren.

Und egal, wie unterschiedlich es aussieht, wenn diese vier Typen sich freuen. Auf die eine oder andere Weise sehen wir es dem Minister an, was am Ende von ihm gesagt wurde: „Er setzte seinen Weg voller Freude fort.“ Eine von diesen Arten von Freuden wünsche ich auch uns, wenn wir uns vor Augen malen, jetzt mit diesem Jesus im Herzen unterwegs zu sein. Amen.