Die Antwort auf die Not ist: Gemeinschaft

Liebe Gemeinde,

Brot für alle – das ist heute in diesem Gottesdienst ein Gedanke, der für Euch Eltern vielleicht auch ein wenig überraschend kommt. Denn stehen heute nicht erst einmal Eure Kinder im Mittelpunkt? Ist es nicht die Zukunft von Eurem Kind, an die Ihr heute denkt?

Euer Kind, das den Kindergarten verlässt. Wie wird es jetzt weitergehen? Mit der Schule wird es wieder etwas ernster im Leben. Weichen werden gestellt für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Hoffentlich jedenfalls!

Oder Ihr, die Ihr heute Eure Kinder in den Kindergarten gebt. Das erste Mal so richtig aus den eigenen Händen gebt. Zwiespältige Gedanken dabei vielleicht auch. Was wird es da erleben? Wird es klarkommen ohne mich, ohne uns? Wird es meinem Kind da gut gehen?

In solche Fragen hinein sagt uns die Geschichte von den fünf Broten und den zwei Fischen und den 5000 satten Menschen: Gott schenkt den Menschen alles, was sie brauchen – denen, die nicht auseinandergehen, um für sich selber zu sorgen, sondern die beieinanderbleiben. Die Antwort auf die Frage nach den besten Lebenschancen ist: Gemeinschaft. Und zur Gemeinschaft hat Gott die Menschen ja auch geschaffen und berufen. Schon ganz am Anfang sagt er: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Das ist ja auch das, was wir heutzutage wieder neu entdecken: keines der großen Probleme dieser Welt löst ein Land alleine. Schon deswegen nicht, weil die großen Probleme dieser Welt überhaupt erst dadurch entstehen, dass wir uns lieber selber durchsetzen als miteinander zu feiern, was uns gemeinsam gegeben ist.

Und auch eine Gesellschaft in sich sollte den Gemeinsinn fördern. Keine Gesellschaft sollte ihre Eltern förmlich dazu zwingen, privat das Optimale für sein Kind herauszuholen, weil das, was öffentlich angeboten wird, nicht reicht. Denn die Antwort auf Armut, auf Ungerechtigkeit ist nicht Selbstoptimierung. Die Antwort ist Gemeinschaft.

Die Jünger aber, die Freunde Jesu, die sind hier noch ganz in diesem alten Denken drin. Sie sagen: „Jesus, es wird dunkel, die Leute brauchen was zu essen. Mach Schluss, damit sie sich noch was besorgen können.“ Die Jünger wollen, dass jeder dieser vielen Menschen loszieht und guckt, dass er noch Brot im Laden bekommt, noch irgendwo einen Fisch abgreifen kann. So ist das halt. Kann man nur hoffen, dass jeder noch was bekommt. Da können wir nichts anderes machen, um ihnen wenigstens genug Zeit dafür zu geben.

Alte Welt in den Köpfen der Jünger. Jeder soll für sich selber sorgen. Alte Welt auch in unseren Köpfen? Mal sehen, wie es nachher beim Kuchenbuffet läuft. Alte Welt auch in unseren Köpfen? Hauptsache, ich, Hauptsache, mein Kind kommt durch alles gut durch?

Aber es stimmt ja auch: Soll ich jetzt mit mehr Gemeinschaft anfangen, wenn noch kein anderer mitzieht? Soll ich darauf verzichten, das Beste für mein Kind herauszuholen, wenn alle anderen noch egoistisch unterwegs sind? Ja, wenn alle mitmachen würden, klar wäre das schöner. Aber so ist es halt noch nicht. Und so lange das noch nicht so ist, ist mir mein Kind natürlich näher als die Gesellschaft.

Das kann ich nachvollziehen. Aber kann ich Dir vielleicht doch auch schon mal ein Bild in den Kopf setzen, dass du nicht mehr los wirst? Ein Bild, das Dich unruhig hält bei dem, wie es in der Welt im Augenblick halt noch zugeht? Ein Bild, das irgendwo ganz tief drinnen einen Wunsch wachhält nach einem anderen Leben? Eine Sehnsucht vielleicht sogar, in einer Gemeinschaft zu leben, in der es für alle reicht?

Wenn Du erlaubst, dann wäre dieses Bild ein kleines Filmchen. Das Filmchen von der Speisung der 5000.

Wie sie alle plötzlich erschrecken, weil es ja schon so spät geworden ist und sie noch was zum Essen kaufen müssen. Wie sie in Sorge sind, nichts mehr zu bekommen. Wie sie ganz unruhig werden und anfangen loszugehen, jeder für sich, sich ihren Weg durch die anderen bahnen.

Wie es dann plötzlich heißt: „Ihr müsst nicht los, setzt euch alle noch mal hin!“ Wie alle stehenbleiben, sich umdrehen, auf Jesus mit seiner Geste sich noch mal hinzusetzen gucken, und sich tatsächlich zögerlich niederlassen.

Wie sie dann sehen und hören, dass der da vorne so etwas wie ein Tischgebet spricht. Und wie dann von vorne nach hinten etwas durch die Reihen geht, Brot und Fisch, das Abendessen, das sie sich eben noch selber kaufen wollten. Wie sie es nun in den Händen halten und ihr Nachbar, ihre Nachbarin auch. Als würden sie sich zuprosten, halten sie es sich gegenseitig hin und lächeln sich an.

Und wie sie dann essen, sinnend und still vergnügt. Und als sie sich das nächste Mal anlächeln, sind sie auch schon satt. Und wie es dann die Runde macht: „Das waren nur fünf Brote und zwei Fische!“ Aber wenn es von ihm kommt und wenn wir es teilen, dann ist es genug.

Ende des kleinen Filmchens. Könnt Ihr das bitte mitnehmen in Euren Köpfen? Und wenn es ausbleicht, es immer wieder restaurieren, indem ihr nachlest in Matthäus 14? Oder zu #Sundaysforfuture kommt: jeden Sonntag im Gottesdienst lass ich mir meine Hoffnung und meine Kraft stärken für die neue Welt Gottes.

Was von Gott kommt und was wir miteinander teilen, das ist genug für alle. So läuft es in der neuen Welt Gottes. Da, wo man sagt: Was uns gegeben ist, ist uns von Gott gegeben, und wenn es von Gott gegeben ist, dann ist es genug. Genug für alle. Wetten?

Wetten, dass es reicht? Wetten, dass ich dann auch keine Sorge mehr haben muss, dass mein Kind zu kurz kommt oder nicht mehr mitkommt? In so einer Welt?

Wie so eine Gesellschaftsordnung, so eine Wirtschaftsordnung im Einzelnen aussieht? Das weiß ich nicht. Das muss ich jetzt auch nicht wissen. Ich bin Pastor. Meine Aufgabe ist erst mal nur, mein Möglichstes zu tun, dass Ihr dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Das Bild, wie da vorne einer ein Tischgebet spricht und dann Brot und Fisch durch die Reihen gehen und alle satt werden. Und sich fröhlich erstaunt anlächeln.

Mögen uns diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen! Mögen sie uns zu einem dankbaren Herzen bewegen und zu geöffneten Händen. Zum Wohle auch für unsere Kinder. Auf dem Weg in eine Zeit, in der diese Bilder nicht mehr nur in unseren Köpfen sind. Amen.