Es kommt: Jesus, meine Hilfe gegen Schwellenangst (3. Advent)

Liebe Gemeinde,

die Hälfte der Türchen im Adventskalender haben wir nun schon geöffnet. Und zugleich sagen alle, dass sich ab Mittwoch die meisten unserer echten Türen wieder schließen werden. Ob uns da offene Türen im Adventskalender als Ersatz reichen werden?

In Reihe „Wer kommt denn da? Es kommt der Ich-bin-für-dich-da“ passt deswegen heute gut sein Ich-bin-Wort: „Ich bin die Tür.“ Jesus sagt in Johannes 10:

Amen, amen, das sage ich euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall geht, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber … Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird ein- und ausgehen und eine gute Weide finden. Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen. Er schlachtet sie und stürzt sie ins Verderben. Ich bin gekommen, um den Schafen das Leben zu bringen – das Leben in seiner ganzen Fülle.

Elisabeth hat uns eben einen Ausschnitt aus den Narnia-Büchern von C.S. Lewis vorgelesen. Und auch in anderen Fantasy-Romanen gibt es manchmal geheimnisvolle Türen. Türen, die nicht jeder sehen kann, nur die Auserwählten. Oder die sich nicht jedem öffnen, nur den Auserwählten. Oder Türen, die in unerwartete Räume führen, Schranktüren, zum Beispiel, die in verborgene Welten führen.

Eine Frage kommt mir da allerdings immer zu kurz: Wer hat diese Türen eingerichtet? Sie sind einfach da und jemand geht durch und findet sich wo wieder. Aber wer hat das gewollt und wer hat das bewerkstelligt? Doch wohl kaum die Tür selbst.

Jesus sagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden.“ Ist Jesus die Tür ins Glück, und sein himmlischer Vater hat das so eingerichtet? Führt er als die Tür vielleicht in die Welt seines Vaters im Himmel? Ist das mit der guten Weide gemeint? Vielleicht die Ewigkeit nach unserem Tod? Aber „ein- und ausgehen“, das tun wir ja beim Sterben nicht. Da geht es nicht mehr hin und her, sondern nur in eine Richtung. Und was heißt durch Jesus hindurchgehen?

Hinein- und hinausgehen, tatsächlich, das meint nicht erst unseren Tod, sondern das ganze Leben. Damit meint Jesus alles, was so zum Leben dazugehört und was man so im Leben macht und erlebt.

Kleiner Erklärblock: Das hebräische Denken, also auch das Jesu, kennt nicht so sehr abstrakte Begriffe, sondern bleibt konkret. So heißt es nicht: den ganzen Tag lang, sondern von morgens bis abends. Ein- und ausgehen, das heißt also: die Wege des Lebens gehen.

So wie Psalm 121 sagt: „Der Herr segne deinen Ausgang und deinen Eingang“ oder wörtlicher übersetzt: „dein Fortgehen und dein Heimkommen.“

Das heißt also: in jede nächste Lebenssituation sollen wir „durch“ Jesus gehen, denn er ist die Tür. Wie geht man „durch“ Jesus?

Schwelle, Rahmen und Türsturz ist er. Der Rahmen für unsere Übergänge. Dass die Tür Symbol ist für besondere Übergänge, das kennen wir ja auch nicht nur aus Fantasy-Romanen. Wir kennen das auch von besonderen Riten: Er trägt Sie (selten andersherum) über die Schwelle ins zukünftig gemeinsame Heim. Oder: an Weihnachten gehen wir unter dem Mistelzweig am Türsturz hindurch. Besondere Rituale, um die Schwellenangst zu lindern und im Gegenteil erfreuliche Erwartungen aufzurufen.

Jesus sagt: „Ich bin die Tür.“ Und ich gehe über die Schwelle dieser Tür in meine nächste Lebenssituation hinein, durch Jesus hindurch. Schwellenangst muss nicht sein. Denn diese besondere Tür, die Jesus ist, führt uns auf saftige Weide. Und wenn du so willst und ein wenig so wie im Fantasy-Roman, aber noch mehr miteinander verwoben als dort: die Weide ist quasi eine Welt in der Welt. Was meine ich damit?

Ob du ins Glück gehst oder ins Leid, in die Fülle oder in den Mangel: Jesus verheißt dir „Leben im Überfluss“, wenn du in jede Situation „durch“ ihn hindurchgehst. Die Weide ist seine Welt für dich in deiner Welt.

Diese Weide bleibt saftig, diese Aue bleibt grün, ob da nun dein Krankenbett drinsteht oder ein behagliches Sofa, ob dich der Spießrutenlauf durch deine Feinde führt oder ob du fröhlich inmitten deiner Freunde gehst. Immer soll unter dir die Weide sein, die deiner Seele Leben im Überfluss schenkt und sie in Jesu Nähe hält – was dasselbe ist, denn die Ich-bin-Worte wollen ja in die Beziehung zu Jesus einladen, und in der Beziehung zu Jesus finden wir unser Glück.

Und wenn sich jetzt wieder die Türen schließen im harten Lockdown, wenn sie sich schließen und sogar abgeschlossen werden, denn es heißt ja nicht nur close-down sondern lock-down? Und Menschen fühlen sich wie weggesperrt, die Alten in den Heimen, die Kranken in den Krankenhäusern, aber auch die vielen Singles, wenn sie alleine wohnen und jetzt auch noch im Homeoffice sind?

Wenn man so einem Menschen dann sagt: „Geh jeden Morgen durch Jesus, die Tür, in den neuen Tag, dann wirst du immer das Glück der frischen Weide unter den Füßen haben“, dann wird der im freundlichsten Fall vielleicht noch sagen: „Du hast gut reden!“

Und doch ist es das, was ich jedem und jeder in so einer Situation wünsche. Nicht als heimliche Aufforderung: „Du musst das so sehen, du bist doch Christ!“ Sondern ich wünsche mir, dass er oder sie sich das wünscht und dass es sich von Christus her ereignet.

Und vielleicht ruft ja auch ein Schaf mal das andere an und hilft ihm schon dadurch zu entdecken: Ich stehe ja immer noch saftiger Weide.

Ein letzter Gedanke noch: das mit Jesus als der Tür funktioniert auch andersherum: Was durch Christus in mich hineinkommt, ist gesegnet. Ich kann ihn zum Türwächter meiner Seele machen. Er wünscht sich, dass in mir sich nicht breitmacht, was Angst und Egoismus starkmacht und mich falsche Sicherheiten suchen lässt. Sondern dass in mir ist, was das Vertrauen und die Liebe zwischen uns stärkt.

„Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden.“ Deswegen: Keine Schwellenangst, wenn die Tür sich öffnet in deine nächste Lebenssituation, und sei es die Tür in den Lockdown! Ist Jesus die Tür, durch die du gehst, dann ist es wie im Advents-Kalender: Es wartet Gutes auf dich, du betrittst seine Welt in deiner Welt, und das bedeutet: egal, was sonst ist, unter deinen Füßen ist saftige Weide, grüne Aue.

Amen.