Es kommt: Jesus, mein Seelenbrot (2. Advent)

Liebe Gemeinde,

anders als Marie Antoinette (die mit dem Spruch „Sollen sie doch Kuchen, brioche, essen, wenn sie kein Brot haben“), hat der heilige Nikolaus tatsächlich verschiedentlich verhindert, dass Menschen unter ihrem Mangel zu leiden haben.

Als ein Vater seine drei Töchter nicht mehr ernähren konnte, war er drauf und dran, sie in die Prostitution zu geben. Nikolaus hörte davon und warf heimlich Gold durchs Fenster, die Mädchen waren gerettet.

Einmal war in Myra eine Hungersnot. Da legte ein Schiff im Hafen an, das Korn geladen hatte. Das Korn war für den Kaiser in Byzanz bestimmt. Nikolaus bat die Schiffer, ein wenig Korn in Myra zu lassen. Die Schiffer weigerten sich erst und sagten, genau die Menge, die sie geladen hatten, müssten sie in Byzanz abliefern. Nikolaus versprach ihnen, dass das schon der Fall sein werde. Die Schiffer wagten es, ließen einen Teil des Korns in Myra – und kamen tatsächlich mit der ursprünglichen Menge in Byzanz an. In Myra aber wurde aus dem Korn Brot, das die Menschen zwei Jahre lang ernährte, und es war noch genug Korn übrig zur Aussaat.

Ein Brotwunder. Auch Jesus vollbrachte ein Brotwunder, 5000 Menschen wurden satt mit fünf Fladenbroten und zwei Fischen. Johannes erzählt es in seinem 6. Kapitel. Später dann sagt Jesus das, was heute unser Predigtwort sein soll:

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Was macht satt? Satt macht vieles. Vieles stopft. Anderes wiederum hält nicht lange vor. Manches verdirbt den Appetit. „Iss nicht so viele Kekse, sonst hast du nachher keinen Hunger mehr“, und nachher heißt: wenn es etwas Ordentliches zu essen gibt.

Wer am Nikolaustag von Brot redet, muss dazusagen, dass er nicht Marzipanbrot meint. Aber ohnehin scheinen wir ein Gespür dafür zu haben, dass Marzipanbrot nicht wesentlich ist, denn im Frühjahr, in der 1. Welle, wurden Mehl und Hefe gehamstert, nicht Marzipanmasse.

Und Mehl und Hefe vermutlich auch nicht, um Kuchen zu backen, sondern Brot. Für den Fall, dass man das würde nicht mehr kaufen können. Denn ohne Brot geht es nicht. Zumal in Deutschland, dem Land vielleicht mit den meisten Brotsorten. Auf jeden Fall aber mit den besten, wer wollte das bestreiten.

Also, Brot des Lebens? Wir wissen Bescheid.

Jedenfalls, was das Brot angeht, das wir mit dem Mund aufnehmen und das uns über unsere Verdauungsorgane die physische Kraft zum Leben gibt. Was die Seele nährt, das ist eine ganz andere Sache.

Seelenbrot. Nein, wir müssen noch nicht gleich ans Abendmahl denken. Es wäre zwar auch nicht falsch, das zu tun. Aber das würde die Sache zu schnell aus unserem Alltag herausbefördern.

Nutzen wir eher den Zusammenhang, in dem Jesus das Brot-Wort sagt. Er hatte 5000 Menschen zu essen gegeben. Die wollten ihn dann zu ihrem Brotkönig machen. Er sprach daraufhin zu ihnen vom Brot, das vom Himmel kommt. Sie erinnerten sich an das Manna in der Wüste (2. Mose 16). Er sagte ihnen, ja, das sei schon toll gewesen, aber mit ihm als Brot würde man nicht gar nicht erst wieder hungrig werden. Anders als beim Manna.

Manna, das war auch schon Seelenbrot gewesen. Denn es zeigte dem Volk bei seiner Wüstendurchquerung: Gott ist bei uns und sorgt für uns. Der Leib bekam Kraft, Glaube und Hoffnung wurden gestärkt. Ergebnis: das Vertrauen zu Gott reichte wieder einen Tag lang weiter. Für wieder einen Tag Wüstenwanderung.

Und daraus können wir die Frage ableiten: Wozu will ich, dass mir mein Seelenbrot dient?

Wir kennen das ja aus dem leiblichen Leben. Unterschiedliche Speisen bewirken Unterschiedliches, man muss wissen, wozu man sie braucht. Der Radprofi braucht große Mengen Nudeln. Im Homeoffice wäre das nicht so gut, da isst man besser Obst und Gemüse. Im walisischen Bed & Breakfast bekam ich vor meiner Tageswanderung ein Big Walker’s Breakfast mit Schinken, Eiern, Pilzen, in der südfranzösischen Wärme und Ruhe war ein leichter Fisch perfekt.

Und meine Seele, was braucht die? Dafür muss ich wissen: Wozu soll das dienen, was ich ihr gebe?

Manchmal gebe ich ja auch meiner Seele richtiges Essen. Denn manches, was wir essen, hat ja gar nicht eigentlich den Zweck, unserem Leib Kraft zu geben. Sondern manches soll unserer Seele das Maul stopfen, soll sie beruhigen, soll ihr die Langeweile vertreiben. Dem dienst dann so manches von süß bis salzig, je nach Geschmack.

Unsere Seele aber will nicht abgespeist werden. Unsere Seele braucht und will in Wahrheit etwas, was Glaube, Hoffnung, Liebe stärkt. Brot des Lebens.

Und da sagt Jesus: Ich gebe dir nicht nur etwas, sondern ich verbinde dich mit der Quelle des Lebens. Ich verbinde dich mit dem Himmel. Ich bin das Brot, das aus dem Himmel kommt. Ich bin der Himmel in dir.

Und wie kann ich das erleben? Ich mache es so:

Vor allem beim Frühstück, am Morgen eines neuen Tages, danke ich Gott für jede Einzelheit, die da vor mir steht. Dann sage ich ihm: „Danke, dass du durch dieses Essen mein Vertrauen in dich stärkst. Und auch meine Seele machst du satt.“ Oder in kurz mit meinem Lieblings-Tischgebet: „Unser ist der Hunger, dein ist die Fülle.“

Kommt dann im Laufe eines Tages ein Hungergefühl, dann nutze ich es kurz, um innezuhalten und mir vorzustellen: wie auch meine Seele manchmal Hunger hat, und wie Christus in mir Glück verbreitet, wie er meine Seele satt und glücklich macht, weil ich ihn liebe und er sich mir schenkt.

Ob das auch mit Marzipanbrot oder Schoko-Nikolaus statt mit ordentlichem Frühstück geht, weiß ich nicht.

Was ich aber weiß, das ist, dass Jesus dir sagt: „Brot des Lebens, das will ich dir werden. Himmelsbrot, das dein Glück wird und in dir Glaube, Hoffnung, Liebe starkmacht.“

Advent, vom Himmel hoch herab zu uns – kommt Christus, das Himmelsbrot, das die Seele satt macht. Möge das ankommen, auch in Eurem Leben!

Amen.