Im Flow mit Jesus oder: Fruchtbares Leben? Einfach bleiben. In ihm. (Taufe)

Liebe Gemeinde,

wir wollen heute unsere Reihe über die sieben Ich-bin-Worte Jesu zu Ende bringen. Sieben Beziehungsangebote macht uns Jesus da. Es sind seine sieben Ich-bin-und-möchte-es-auch-für-dich-sein-Worte.

Und nach Hirte und Tür, nach Weg, Wahrheit, Licht und Leben wird es heute noch mal ganz anschaulich, ganz natürlich und deswegen auch ganz besonders grundlegend und wichtig. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Und herauskommen sollen natürlich Trauben. Es geht also um die Frage: Wie wird mein Leben fruchtbar? Was ist der Ertrag meines Lebens? Was bringt’s? Und für wen?

Und wie sehr passend, dass wir diese Fragen heute stellen, wenn wir euch sechs junge Leute taufen! Denn heute werden Weichen gestellt für euer Leben. Was wird daraus werden?

Und wie passend, dass wir diese Fragen heute stellen, denn dies ist meine letzte Predigt als euer Pastor. Und die Frage ist: Wie geht das Leben weiter für euch und wie auch für Carola und mich? Jesus verheißt: Fruchtbar soll es werden, denn: ich der Weinstock, ihr die Reben, das hört ja deswegen nicht auf!

Vor allem nun aber erst einmal für Euch Täuflinge wollen wir hören, was Jesus sagt in Johannes 15:

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst heraus – sie kann es nur, wenn sie am Weinstock bleibt – so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Zwei Dinge würde ich gerne gleich mit euch betrachten: Fließen soll es zwischen Weinstock und Rebe, wie also ist es, in diesem Flow zu sein? Und: wie bleibt man?

Zunächst aber mal das Bild ein wenig näher betrachtet für uns, bei denen der Wein nicht so überall wächst. Noch nicht jedenfalls. Also: Der Weinstock ist das, was aus dem Boden kommt, die Rebe das, was aus dem Weinstock kommt, und an der Rebe hängen dann die Trauben.

Wir sind in dem Bild die Reben. Wir sind also zwischen Weinstock und Trauben. Wir sind zwischen Jesus und dem Leben. Die Trauben sind nicht für die Rebe da. Wir sollen von Jesus nehmen und der Welt geben.

Im Umkehrschluss: Wenn wir nicht von Jesus nehmen, haben wir der Welt auch nichts zu geben. Jedenfalls nicht das, was der Winzer mit dem Weinstock der Welt durch die Reben schenken möchte.

Denn dieses „ohne mich könnt ihr nichts tun“, das heißt ja nicht: ohne Jesus könnten wir keine Tests schreiben, die Steuererklärung nicht ausfüllen oder keine Kinder kriegen. Das kann man alles auch ohne Jesus. Für so eine Frucht muss man nicht Rebe sein.

Und für was für eine Frucht dann? Die Frucht, die wir als Rebe am Weinstock bringen, die dient dazu, dass die Menschen Gott erkennen und anfangen, ihm zu vertrauen. Liebe üben, Hoffnung stärken, zum Glauben einladen. Das ist die Frucht.

Das können wir nur tun, wenn wir mit Jesus verbunden bleiben. Und das ist das, wozu unser Leben als Rebe am Weinstock da ist. Unser Leben zwischen Weinstock und Frucht.

Solch ein fruchtbares Leben, für das sind wir Rebe am Weinstock. Und wie sieht das jetzt aus? Ja, und da kommen wir nun zurück zum Flow und zum Bleiben.

Der Flow, englisch für: das Fließen, das ist ja so ein Zustand, in dem die Dinge wie von alleine gehen. Wer im Flow ist, der ist produktiv, ohne dass es ihn oder sie anstrengt. Eine Idee gebiert die nächste. Und alles gelingt. Weil es einfach fließt. Eine wunderbare Erfahrung! Ein regelrechtes Glück!

Wenn es zwischen Weinstock und Rebe einfach fließt. Offene Kanäle zwischen Weinstock und Rebe, geben und empfangen, schenken und beschenkt werden. Geistlicher Flow. Ich fühle mich verbunden mit Jesus. Was für ein Glück!

Und was für ein Glück, wenn die Rebe dann merkt: Was mich so erfüllt, fließt weiter in die Frucht meines Lebens. Und die Frucht ist saftig, süß, gehaltvoll, erfreulich erfreuend.

Und wer sie genießt, sagt: Dieser Winzer versteht sein Geschäft! Wie heißt denn der?

Euch sechsen und uns allen wünsche ich das: den Flow des geistlichen Lebens, den Flow als Rebe am Weinstock Jesus, ein fruchtbares Leben, einen reichen Ertrag, Kraft zur Liebe als Zeugnis des Glaubens, inspirierende Hoffnung. Die fröhliche Dankbarkeit darüber, dass ich für andere ein Grund zur Dankbarkeit und zum Vertrauen gegenüber Gott geworden bin! Ganz leicht und fast von selbst, und was für ein Glück!

Wer das aus seinem Leben werden lassen möchte, der braucht nun nur eines zu tun: bleiben.

Bleiben, das ist Jesus unglaublich wichtig. Das klingt natürlich jetzt ein wenig komisch, wenn wir demnächst eben nicht bleiben, sondern gehen. Und das könnte ja auch bei euch sechsen in ein paar Jahren passieren, wenn nach Schule oder Uni die nächste Etappe kommt. Und die Frage sich stellt: Bleiben oder gehen?

Aber wir ahnen es ja auch schon: Jesus meint nicht das, was in einem der Psalmen steht: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich.“ Sondern er meint: In ihm sollen wir bleiben. Immer wieder spricht er davon: Wer in mir bleibt und ich in ihm … Wenn ihr in mir bleibt, dann … bringt ihr zum Beispiel viel Frucht.

Bleiben, wie macht man das? Einfach nicht weggehen, ja, ok. Aber Jesus meint damit noch mehr. Er meint: Bleiben, das bedeutet: sich immer wieder auf ihn ausrichten, nicht nur einfach da sein, sondern offen für ihn da sein. So wie er nicht nur da ist, sondern offen für uns da ist.

Bleiben bei ihm, das heißt, mit dem wohnen, von dem gesagt wurde: das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Sich regelrecht einrichten bei ihm, in seinen Worten wohnen, auf dass sie uns prägen, auf dass sie uns auch immer wieder reinigen von dem, was zwischen uns steht.

Bei Jesus bleiben, das ist also nicht einfach nichts tun, zum Beispiel einfach nicht weggehen. Sondern bei ihm bleiben, in ihm bleiben, das ist etwas sehr Aktives. Nicht zuletzt, weil wir auch ganz unmerklich von ihm wegdriften können. Zum Beispiel noch zur Gemeinde gehen, aber nichts mehr persönlich nehmen.

Aber das ist ja eigentlich eine unmögliche Möglichkeit. Warum sollten wir das tun? Wir haben doch in Christus unser Glück. Wir wünschen uns doch, dass es ganz einfach fließt. Für ein fruchtbares Leben. Deswegen bleiben wir. In ihm. Amen.