Ja, wie kann man sich da denn NICHT vorfreuen und vorbereiten? (Ewigkeitssonntag)

Liebe Gemeinde,

was brauchen wir an diesem Tag, am Ewigkeitssonntag? Was wäre gut zu hören? Etwas Tröstliches wäre gut, wenn wir heute um einen Menschen trauern. Etwas Hoffnungsvolles wäre gut, wenn wir heute an unser eigenes Ende denken. Zum Beispiel etwas, das uns sagt: Das Ende ist nicht das Ende.

Ja, vielleicht sogar etwas, das uns sagt: Das Beste wartet überhaupt erst noch. So etwas wie das Lied, das wir eben gesungen haben. „Wacht auf! Der Bräutigam kommt! Das Fest beginnt!“ Wenn wir wüssten: Unsere Verstorbenen haben das gehört. Wenn wir wüssten: Auch wir werden das hören!

Aufwachen, der Bräutigam kommt, es geht los! Jesus erzählt uns so eine Geschichte. Ich lese uns aus dem 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums.

Wenn das Himmelreich kommt, wird es zehn Brautjungfern gleichen: Sie nahmen ihre Fackeln und gingen hinaus zum Haus der Braut, um den Bräutigam zu empfangen. Als sie rufen hörten: „Seht! Der Bräutigam kommt! Geht hinaus, um ihn zu begrüßen!“, standen all jene Brautjungfern auf und machten ihre Fackeln bereit. Als der Bräutigam kam, gingen sie mit ihm hinein zum Hochzeitsfest.

Was für eine fröhliche Szene. Und wie sie anknüpft an den letzten Sonntag: Da haben wir davon gehört, wie Gott als Bräutigam und der Mensch / das Volk Israel / die Kirche als Braut in Liebe zueinander entbrannt sind. Und heute nun die Geschichte von einer Hochzeit.

Und so liefen Hochzeiten ab damals: Die Brautjungfern kamen ins Haus der Braut. Sie brachten ihre Fackeln mit. Diese Fackeln sahen so aus: Oben auf einem Stab saß eine Schale. Dazu hatte man einen Lappen dabei und ein Fläschchen mit Öl. Wenn der Lappen entzündet werden sollte, wurde er in die Schale gelegt, mit Öl getränkt und angezündet.

Mit Stab und Schale, Lappen und Öl erschienen also die Brautjungfern bei der Braut und warteten mit ihr auf den Bräutigam. Wenn der kam, legten sie die Lappen in die Schale, tränkten die Lappen mit Öl, zündeten sie an und geleiteten mit ihren brennenden Fackeln Braut und Bräutigam ins Haus des Bräutigams. Dort fand dann die Hochzeit statt. Eine Hochzeit auf dem Lande.

Jesus sagt: Das seid ihr, diese Brautjungfern. Wenn ihr ans Ende denkt, dann denkt so daran: dass ihr euch darauf freut, wie diese Brautjungfern. Wie ihr voller Vorfreude alles fertigmacht für das große Fest.

Wie ihr euch vorbereitet und wie euch dabei schon Bilder von diesem Fest, wie es wohl wird, im Kopf herumgehen. Musik und Tanz, gutes Essen und Trinken, Lachen und heitere Gespräche, friedliche Stimmung in den stillen Momenten. Wie sich dabei euer Herz mit Liebe füllt und euer Bauch mit Freude.

Können wir das mal einen Augenblick in uns wirken lassen? In diesen Bildern mal für einen Augenblick umhergehen, vor unserem inneren Auge? — Diese Bilder vor unseren Augen: Sind die tröstlich für uns? Machen die uns hoffnungsvoll?

Jesus wünscht es uns. Wir, die wir zu ihm gehören, die mit ihm leben, wir, so sagt er, wir können so auf den Tod zugehen, auf den eigenen; wir sollen so mit dem Tod umgehen, mit dem der anderen. So, mit diesen Bildern im Kopf. Mit den Bildern dieser Hochzeit. Auf die wir uns freuen. Auf die wir uns vorbereiten. Die wir dann mit ihm feiern. Das, sagt Jesus, das ist für euch, die ihr mit mir lebt, eure Zukunft.

Das ist wahrhaftig gut zu hören heute. Und könnte es einen Grund geben, nicht auf diese Zukunft zugehen zu wollen? Sich nicht vorzufreuen? Sich nicht vorzubereiten? Nein, warum? Das wäre doch blöd!

Naja, blöd schon. Aber zu geben scheint es das doch. Denn ich habe euch noch nicht die ganze Geschichte erzählt, die Jesus erzählt. Er muss an ein paar Menschen gedacht haben, die sich nicht vorfreuten. Die vielleicht gesagt haben: Super, am Ende eine Hochzeit, dann wäre die Frage ja geklärt. Die es dann aber vergessen haben. Wie eine Einladungskarte weggelegt, ist ja noch so lange hin und vorher ist auch noch so viel anderes. Und die dann ganz überrascht waren, als es plötzlich so weit war.

Die das vielleicht auch zu selbstverständlich nahmen, da eingeladen zu sein. Die sich deswegen nicht vorfreuten. Und die sich deswegen auch nicht vorbereiteten. Und als der Tag kam, griffen sie zu Schale, Stab und Lappen – hatten aber kein Öl im Haus.

Deswegen konnte Jesus die Geschichte auch nicht so einfach erzählen, wie wir sie eben gehört haben. Leider musste er noch ein bisschen mehr erzählen. Und dann ging sie so:

Wenn das Himmelreich kommt, wird es zehn Brautjungfern gleichen: Sie nahmen ihre Fackeln und gingen hinaus zum Haus der Braut, um den Bräutigam zu empfangen. Fünf von ihnen waren dumm, die anderen fünf waren klug. Die dummen Brautjungfern nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber kein Öl. Die klugen Brautjungfern dagegen nahmen zusammen mit ihren Fackeln auch Krüge mit Öl mit.

Als sie rufen hörten: „Seht! Der Bräutigam kommt! Geht hinaus, um ihn zu begrüßen!“, standen all jene Brautjungfern auf und machten ihre Fackeln bereit. Die dummen aber sagten zu den klugen: „Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Fackeln sofort wieder aus!“ Aber die klugen antworteten: „Das geht nicht, dann reicht es weder für uns noch für euch! Geht besser zu den Händlern und kauft euch selber welches.“

Als sie aber weggingen, um welches zu kaufen, kam der Bräutigam. Die, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest.

Und die anderen, die dummen? Die hatten sich quasi selbst von dem Fest ausgeschlossen. Aber das ist doch auch unglaublich blöd, oder? Ich meine, wir, die wir uns das eben vor Augen geführt haben: das wunderbare Hochzeitsfest; wie wir uns darauf vorfreuen; wie wir uns darauf vorbereiten, schon mal Kleid und Anzug kaufen; und darauf achten, dass wir auch noch reinpassen, wenn es so soweit ist; wie wir immer wieder schon mal etwas zur Seite legen fürs Hochzeitsgeschenk; schon mal Musik und Lieder üben, die wir dann vortragen wollen;

wir, die wir immer wieder auch die anderen fragen: und, was wirst du anziehen, hast du schon ein Geschenk, weißt du schon, was du zum Programm beitragen willst –

wir fragen uns: Wie kann man das alles nicht tun, wenn man so eine Einladung bekommen hat? Wie kann man sich so wenig vorfreuen, dass man sich so gar nicht vorbereitet? Das verstehen wir nicht. Das kann doch nicht sein!

Jesus muss das nicht nur kopfschüttelnd gedacht haben, sondern auch verzweifelt. Können wir diese Verzweiflung verstehen? Müssen wir vielleicht erst noch die Vorfreude mehr auskosten, um unter dieser Gleichgültigkeit zu leiden? Wir, die wir uns so vorfreuen und uns so vorbereiten?

Aber da wäre es jetzt auch mal Zeit zu fragen: Wie bereite ich mich denn vor? Oder in der Geschichte: Was ist das Öl, das die einen dabeihaben und die anderen nicht? Was ist es, das meine Fackel zum Leuchten bringt?

Jesus sagt einmal: „Ihr seid das Licht der Welt. Nun zündet man kein Licht an, um es dann unter einen Eimer zu stellen. Man stellt es auf einen erhöhten Platz, damit es allen leuchtet. So werden die Menschen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Das Öl, das unsere Fackeln zum Brennen, zum Leuchten bringt, das ist also: dass wir mit unserem Leben, mit dem, was wir tun und mit dem, was wir ausstrahlen, zu erkennen geben: Wir gehören zu Jesus! Was für eine Freude!

Oder kann man das nicht auch anders lesen? Nämlich: Übe fleißig gute Werke, dann bist du am Ende mit dabei? Aber weiß ich denn, wann ich genug Öl habe? Ist das nicht plötzlich wieder eine ziemlich anstrengende und freudlose Angelegenheit mit diesem Jesus und dem Blick auf mein Ende? Dass ich mich fragen muss: Habe ich genug Gutes getan?

Ja, vielleicht ist das anstrengend und freudlos. Auf jeden Fall dann, wenn wir als die Botschaft dieser Geschichte hören würden: Auch wenn es dich nervt und es ziemlich belastend ist, aber denk auch ans Öl, wenn du zur Hochzeit gehst. Klar, ist ein ziemlicher Umstand, aber geht halt nicht anders.

Geht nicht anders? Jesus würde sagen: Nicht, dass es nicht anders geht, ist das Thema, sondern dass es anders überhaupt keinen Sinn macht! Ich selber, sagt Jesus, gebe dir Lappen und Öl, ich gebe dir Glauben und Kraft – warum fügst du beides nicht zusammen? Was willst du denn nur mit dem Lappen? Soll heißen: Ich gebe dir meine Liebe! Warum gibst du meiner Liebe keinen Raum, in dir und um dich herum?

Meine Fackel leuchtet, wenn ich Jesu Liebe Raum gebe, in mir und um mich herum. Wenn ich zulasse, dass seine Liebe meine Freudlosigkeit berührt. Wenn ich zulasse, dass seine Liebe mich dazu bewegt, Gutes zu tun. Wenn ich mich schon so vorfreue auf das Hochzeitsfest am Ende, dass sich mein Herz und meine Hand fast schon allein öffnen.

Und wer diese Vorfreude so in sich spürt und sich so wünscht, dass seine Fackel leuchtet, der braucht dann eigentlich auch das Ende der Geschichte, so wie es jetzt dasteht, gar nicht mehr. Das mit dem Gericht. Und manche sagen auch, das hätte Matthäus erst später noch hinzugefügt. Vielleicht auch, dass der Bräutigam sich verspätet, soll heißen: das Jesus doch nicht so schnell wiederkam. Das mag sein, wie es will. Jedenfalls heißt es am Ende noch:

Die, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die anderen jungen Frauen und sagten: „Herr, Herr, mach uns auf!“ Der aber antwortete: „Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“

Wer dieses Ende damals gehört hat, der hat an der Stelle gedacht: Moment, das macht jetzt keinen Sinn. Bei uns im Dorf werden keine Türen verschlossen, denn das ganze Dorf feiert doch mit, da geht es ständig rein und raus. Und die Brautjungfern würden zum Bräutigam auch nicht „Herr, Herr“ sagen. Und wieso redet der plötzlich so förmlich „Amen, ich sage euch!“? Und wieso kennt der die plötzlich nicht mehr?

Ja, das passt alles nicht. Die Erzähler wollen uns damit zusätzlich aufschrecken. Und sie meinen, die dummen Brautjungfern haben sich nicht nur selbst ausgeschlossen, sondern am Ende, im Gericht, da hilft auch ihr Bitten und Flehen nicht mehr.

Ich will ganz ehrlich sein: Ich brauche dieses Ende nicht. Mir reicht es, bei dem Gedanken zu erschrecken, dass man Jesus kennengelernt haben kann und sich dann nicht mit Haltung und Handlung auf die Hochzeit freuen kann. Mich erschreckt auch so schon der Gedanke genug, dass ich Jesus gegenüber so gleichgültig sein könnte, ihn nicht zurücklieben könnte.

Um mich aber vorzufreuen und mich vorzubereiten, als Trost im Abschied und als Hoffnung im Sterben, reicht mir die Geschichte, wie Jesus sie am liebsten einfach erzählt hätte:

Wenn das Himmelreich kommt, wird es zehn Brautjungfern gleichen: Sie nahmen ihre Fackeln und gingen hinaus zum Haus der Braut, um den Bräutigam zu empfangen. Als sie rufen hörten: „Seht! Der Bräutigam kommt! Geht hinaus, um ihn zu begrüßen!“, standen all jene Brautjungfern auf und machten ihre Fackeln bereit. Und als der Bräutigam kam, gingen sie mit ihm hinein zum Hochzeitsfest.

Amen.