Jesus beWAHRHEITet sich als WEG ins LEBEN

Liebe Gemeinde,

sich mitten im Lockdown mit Wohnungen zu beschäftigen [wie wir im Hinführenden], macht ja durchaus Sinn. Intensiv sind wir dabei zu erleben, was Architekten sich unter einer guten, einer praktischen, einer schönen Wohnung vorstellen. Wir kommen ja kaum raus. Und unsere Spaziergänge führen uns nicht weiter als durch uns unsere Nachbarschaft, und wir können uns von außen ansehen, wie Stadtplanung denkt, dass Wohnungen zusammengehören sollen.

Nur eines kommt im Augenblick vielleicht nicht so richtig auf: Sehnsucht nach unserer Wohnung, jetzt, wo wir kaum noch aus ihr rauskommen.

Oder vielleicht doch? Wenn wir z.B. raus mussten, zum Einkaufen, zur Arbeit, in den Öffentlichen unterwegs waren, und wir endlich wieder zurück sind und nicht mehr fürchten müssen, uns anzustecken, endlich in Sicherheit?

Im heutigen Ich-bin-und-möchte-auch-für-dich-sein-Wort spricht Jesus auch von Wohnungen.

»Lasst euch nicht erschrecken! Glaubt an Gott, und an mich glaubt!

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht versprochen: ›Ich gehe dorthin, um einen Platz für euch bereit zu machen.‹ Und wenn ich dorthin gegangen bin und einen Platz für euch bereit gemacht habe, werde ich wiederkommen. Dann werde ich euch zu mir holen. Denn dort, wo ich bin, sollt auch ihr sein.

Ihr kennt ja den Weg zu dem Ort, wo ich hingehe.« Thomas sagte zu ihm: »Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst. Wie können wir da den Weg wissen?« Jesus antwortete ihm: »Ich selbst bin der Weg. Genauso bin ich die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg, der zum Vater führt, als mich. Wenn ihr mich wirklich kennt, dann werdet ihr auch meinen Vater kennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.« Philippus sagte zu ihm: »Herr, zeig uns den Vater. Das genügt uns.« Jesus antwortete ihm: »Jetzt bin ich schon so lange mit euch zusammen – und du kennst mich immer noch nicht wirklich, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen!«

Mal eben vorab: Es werden hier ja ganz große Begriffe aufgerufen: Weg, Wahrheit, Leben. Später wurde dieses Ich-bin-Wort oft in der Auseinandersetzung mit Andersgläubigen als Schlag-Wort benutzt. Dazu hat Jesus es aber nicht gesagt. Denn Jesus redet hier seelsorglich. Er begründet damit, warum wir nicht erschrecken brauchen. Wir sind hier in den Abschiedsgesprächen Jesu mit seinen Jüngern. Er tröstet sie hier, dass sie keine Angst haben müssen, in dieser Welt verlorenzugehen und am Ende das Ziel zu nicht zu finden. Er versichert ihnen, dass sie keinen Augenblick ohne ihn sein werden.

Also: „Euer Herz erschrecke nicht,“ übersetzt Luther, „glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Worüber wart Ihr in letzter Zeit erschrocken? In was habt Ihr zuletzt den Glauben, das Vertrauen verloren?

Das Jahr 2020 wollten wir zurücklassen, soll heißen: schlechte Nachrichten, verwirrende Einschränkungen, verunsicherte Verantwortliche, Perspektivlosigkeit, Ausweglosigkeit, einen anstrengenden Alltag, in dem nichts mehr so war, wie wir es gekannt hatten.

Aber der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sagt zu dieser Hoffnung, zu dieser seufzenden Sehnsucht: „Das dürfte sich als Illusion erweisen. So könnte 2021 zum Jahr der Ernüchterung werden.“ Was, das neue Jahr geht weiter, wie das alte aufgehört hat? Erschreckende Aussichten!

Aber er hat ja der Recht, der Herr Fratzscher, der es mit seinen Worten auf die Titelseite des Tagesspiegels geschafft hat. Verschärfter Lockdown, frustrierendes Impf-Tempo, Schul-Chaos und nun auch noch der Sturm auf das Kapitol durch fanatische Trump-Anhänger. Das geht ja gut los, dieses 2021.

Gab also genug zum Erschrecken, gab also genug Gelegenheiten, den Glauben, das Vertrauen zu verlieren, nämlich, dass wir uns alle auf ein Ziel einigen könnten und einen gemeinsamen Weg dahin finden.

Und jetzt, soll Jesus etwa das Ziel und den wahren Weg wissen – in Sachen Bekämpfung von Corona und rechten Umtrieben, auf dass das Leben wieder normal weitergehen kann? Das werden wir wohl nie erfahren, denn dazu müssten wir ihn alle einmütig befragen und seinen Weg gehen wollen, und wo das geschieht, hätten wir vermutlich bereits unsere Wohnungen in Gottes Haus bezogen und es gäbe weder Corona noch rechten Terror mehr.

Nein, sondern Jesus meint: In der Welt habt ihr Angst (Johannes 16,33), denn sie setzt eurem Vertrauen in mich zu. Aber erschreckt nicht!

Ja, in aller Angst um uns selbst ist es schwer zu vertrauen, dass Jesu Weg der Demut und der Feindesliebe, der Freiheit von der Angst um mich selbst und für die Liebe, der Dankbarkeit an jedem neuen Tag – dass dieser Weg ein gut lebbarer Weg sei, der Weg des Glücks, dieser Glaube kann von den Umständen schon angefochten werden. Den allgemeinen Umständen und vielleicht ja für Dich gerade auch Deinen persönlichen.

Aber erschreckt nicht! Glaubt Gott und glaubt Jesus! Vertraut Euch Christus an, der sich immer wieder als Euer Weg ins Leben bewahrheiten wird! So also soll Euer Leben aussehen:

  • Freut euch auf Euer Ziel: Eure Wohnung im Haus Gottes! Sie ist bereits für Euch vorbereitet. Dort werdet Ihr sicher und geborgen sein. Schon jüdische Schriften kurz vor Jesus kennen dieses Bild, das 1. Henochbuch etwa, Trostbuch für Bedrängte. In die Wohnung bei Gott reicht die Macht der Mächtigen nicht. Auch der mächtige Zweifel und die mächtige innere Unruhe können Euch da nicht mehr erreichen.
  • Bis dahin seid Ihr auf dem Weg. Und wenn Ihr Jesus folgt, rollt sich der Weg vor Euren Füßen aus, Schritt für Schritt. Ja, Jesus selbst ist dieser Weg. Folgt ihm vertrauensvoll! Lebt, was er Euch sagt! In seinem Geist ist er bei Euch und erinnert Euch an alles, was er gesagt und getan hat (14,26). Dieser Weg soll Euer Glück sein.
  • Dieser Weg ist der wahre Weg. Soll heißen: auf ihm wird Jesus sich als verlässlicher Leiter und Begleiter beWAeHRen, seine Worte werden sich beWAHRheiten. Dieser Weg, der Jesus ist, wird sich nicht als Illusion erweisen und in die Enttäuschung führen, denn Täuschung ist nicht in ihm, sondern nur Liebe und Treue.
  • Und wie in ihm, ist auch in seinem Vater nur Liebe und Treue, deswegen führt der Weg Jesu zwar zunächst in den Tod, aber dann ins Leben. Sein Vater hat ihn auferweckt – ihn als ersten und dann uns! Und deswegen ist auch schon jetzt auf unserem Weg so viel Leben, denn auch aus den kleinen Toden unterwegs lässt er uns auferstehen.

Deswegen: Erschreckt nicht! Und wenn Ihr doch erschrocken seid, dann lasst Euch zurück ins Leben führen – von Jesus, der nichts lieber tut, als sich immer wieder als Euer Weg ins Leben zu bewahrheiten! Amen.