Jesus, Gottes Ja zu seinen Verheißungen – oder: Mit Noah, Abraham und Mose an der Krippe (4. Advent)

Liebe Gemeinde,

wenn einem etwas Schönes passiert, ist das ganz schön schön. Wenn etwas Schönes passiert, wonach man sich lange gesehnt hat, das ist dann noch mal um Vieles schöner. Marias Lobgesang haben wir eben gehört und auch den vom alten Simeon im Tempel. Sie jubeln: „Gott hatte versprochen, uns zur Hilfe zu kommen. Wir haben solange darauf gewartet! Und jetzt endlich ist er da!“

Nämlich wo? Erst im Bauch der einen, dann in den Armen des anderen. Die eine hat so ein Bauchgefühl, für den anderen war die Erfüllung zum Greifen nah.

Auch für uns? Ist Christus die Antwort auf das, wonach wir uns im Tiefsten sehnen? Mal angenommen natürlich, wir wissen, wonach wir uns im Tiefsten sehnen.

Wenn wir bei allem, was wir wünschen und hoffen, noch mal fragen „Warum?“, solange bis wir dann den Eindruck haben, jetzt bin ich dem ganz nahe gekommen, wonach ich mich eigentlich sehne – kann dann das Kind in Marias Bauch und auf Simeons Armen die Antwort sein?

Der Missionar, Gemeindegründer und Briefeschreiber Paulus hat eigentlich keine Weihnachtsgeschichte geschrieben. Trotzdem ist uns für cheute etwas von ihm vorgeschlagen. Etwas über Verheißung und Erfüllung. Er schreibt:

Wir haben bei euch Gottes Sohn, Jesus Christus, verkündet. Und Gottes Sohn war nicht ja und Nein zugleich, sondern er ist das Ja in Person. Durch ihn sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Deshalb berufen wir uns auf ihn, wenn wir „Amen“ sagen. Und so machen wir Gottes Herrlichkeit noch größer. Gott aber ist es, der uns gemeinsam mit euch im Glauben an Christus festigt. Er hat uns gesalbt und uns sein Siegel aufgedrückt. Dazu hat er uns den Heiligen Geist als Vorschuss ins Herz gegeben.

Jesus Christus ist das Ja Gottes zu all seinen Verheißungen. Das also ist das, was Maria in sich gehört hat: „Ja!“ Und als Simeon das Kind in den Armen hatte, war es das, was er in dessen Augen gelesen hat: „Ja!“ „Ja,“, sagt Christus, „ich bin’s. Alles, was Gott versprochen hat. Alles, was ihr euch ersehnt an Lebensglück. Ich bin all das.“

Er ist das Ja. Kein Nein. Noch nicht mal ein Ja, aber. Was Gott an Gutem versprochen hat, das bestätigt Jesus, das erfüllt er, ja, das ist er. Und wer’s glaubt, ist dazu das Amen. Amen, das heißt: So sei es. Jesus, das Ja Gottes zu allem Leben? So sei es! Und wie wird es? Indem ich es glaube, in meinem Leben wahr sein lasse, spürbar für mich und für andere.

Und was jetzt noch mal genau? Alle Verheißungen Gottes. Alles, was Gott versprochen hat. Und wenn Paulus so etwas sagt, dann denkt er in der Regel groß. Weil auch in Jesus die großen Linien der Geschichte Gottes mit uns Menschen zusammenlaufen. Linien, für die in der Geschichte Gottes mit den Menschen drei Männer stehen.

Entschuldigung, ja, es sind nur Männer. Das ist nicht meine Schuld. So waren halt die Zeiten damals. Drei Männer also. Die für die großen Zusagen Gottes an alle Menschen stehen. Auch an dich also.

Ich stelle mir vor, wie diese drei von diesem Paulus-Wort herbeigerufen wurden. „Verheißungen, sagst du? Da fragt man am besten uns. Hier sind wir!“

Und das sind jetzt mal nicht die heiligen drei Könige. Die ja auch weder heilig noch drei noch Könige waren. Nein, wenn es um die Verheißungen Gottes geht, dann gibt es keine besseren Zeugen als: Noah, Abraham und Mose. Diese drei stehen plötzlich neben der Krippe, sehen hinein und nicken fröhlich, als sie da das Ja Gottes liegen sehen.

Diese drei waren die großen Bundespartner Gottes. Dreimal hat Gott etwas Großes versprochen. Christus ist davon die Erfüllung. Drei große Bünde hat Gott mit seinen Menschen geschlossen. Den mit Noah, den mit Abraham und den mit Mose. Drei Verheißungen liegen diesen Bünden zugrunde. Diese drei Bünde sind die Antworten auf die großen Sehnsüchte der Menschheit. Und zwar?

Noah sagt: Alles Leben bekommt, was es braucht! Abraham sagt: Die Zukunft steht offen! Mose sagt: Du gehst nicht allein! Wer den Dreien zuhört, kommt der Sehnsucht ganz nah. Wer zu Christus Amen sagt, kommt der Erfüllung ganz nah. Hören wir also mal zu!

Auf also tritt Noah. Und er erzählt seine Geschichte: von lebensbedrohlicher Gefahr, von des Menschen Schuld, ja, und seinen Folgen; wie ihnen erst einmal der Boden unter den Füßen weggezogen und durch die schwankenden Planken dieses Schiffes ersetzt wurde; wie dieses Schiff sie durch die Wasserwüste trug, ein Wasserwüstenschiff, wer weiß wohin und wer weiß, ob überhaupt irgendwo hin; und ob das nicht doch auch für sie das Ende wäre, wer weiß, der Zweifel als blinder Passagier des Lebens.

Und wie dann der Vogel nicht mehr wiederkam und wie sie hofften, er sei nicht erschöpft ins Wasser gefallen, sondern hätte Land gefunden; und wie sie dann alle wieder festen Boden unter den Füßen hatten und das Leben wieder weitergehen konnte; und wie sie den Regenbogen gesehen und die Stimme gehört hatten, die sagte: „Saat und Ernte sollen nicht  aufhören, ich werde das Leben auf der Erde nie wieder in Gefahr bringen.“

Noah sagt: Das Leben geht weiter. Das ist die Verheißung. Und Christus ist dazu noch einmal und endgültig das Ja. Das Kind, das Ja zum Leben, der Mann, das Ja zum Leben, der Auferstandene, das Ja zum Leben, zum ewigen.

Fühle ich mich vom Leben abgeschnitten? Unbehaust, ungeborgen in dieser Welt? Unfähig, die Freude und das Glück und die Zuversicht eines Geschöpfes Gottes zu spüren? Noah zeigt auf Christus und sagt: „Er ist das Ja zu Gottes Regenbogen.“

Was bedeutet es, dazu Amen zu sagen? Das heißt: So sei es in meinem Leben? Kannst du dir vorstellen, Christus so in dir zu spüren wie Maria, als Freude im Bauch? Christus so zu spüren wie Simeon, als Glück in deinen Armen? Die Freude und den Frieden, die von ihm ausgehen, hinein in dein Leben? Dann weißt du: das Leben wird dir nicht ausgehen.

Und auf tritt Abraham. Er erzählt vom Aufbruch in die Zukunft. Wie Gott ihn lockte, Teil seines großen Planes mit der Menschheit zu werden. „Ich verheiße dir“, sagte Gott, „dass durch dich die Welt zu einem besseren Ort werden wird!“ Ein Volk würde entstehen, dass der Welt zeigt, wie Gott sich das Leben für alle vorstellt. Als Schalom. Frieden und Gerechtigkeit! Zukunft für die Welt!

Und Abraham steht neben der Krippe und erzählt: wie sie wie die Nomaden durch die Lande gezogen sind; wie sie in der Gefahr standen, weniger zu werden statt mehr und so auch ihre Hoffnung; wie er erst mal nur einen Himmel voller Sterne gezeigt bekommen hatten, und so unfassbar reich solle ihre Zukunft sein; und mit einem Sohn würde es anfangen, ja, auch in ihrem Alter noch, sie würden noch sehen, und wie sie dann tatsächlich sahen; wie sie den Kleinen vor den Sternenhimmel hielten, als ersten von vielen.

Abraham sagt: Die Zukunft steht offen. Das ist die Verheißung. Und Christus ist dazu noch einmal und endgültig das Ja. Er, der da war und der da ist und der da kommt. Er, der Gottes Zukunft in unsere Gegenwart holt. In meiner und in deiner Gegenwart ist dann schon jetzt, was einst auf alle wartet: die Fülle des Lebens.

Fühle ich mich ohne Zukunft? Gefangen in meiner Vergangenheit, in meiner Gegenwart? Schuld und Schmerz halten mich fest, kein Schritt möglich vor oder zurück? Abraham zeigt auf Jesus und sagt: „Halte dies Kind vor die Sterne, er öffnet dir den Himmel!“

Was bedeutet es, dazu Amen zu sagen? Das heißt: So sei es in meinem Leben? Kannst du dir vorstellen, Jesus so in dir zu spüren wie Maria? Und wie alles, was hart und unerbittlich deine Gedanken in Schuld und Schmerz festhält, unter seiner Liebe weich wird und dich loslässt?

Kannst du dir vorstellen, wie Simeon Jesus zu spüren in deinen Armen? Wie Jesus sich dir anvertraut, und wie er sagt: „Ich würde nicht auf deinem Arm liegen, wenn ich dir nicht auch die Kraft geben würde, mich in die neue Welt Gottes zu tragen“? Wenn du dir das vorstellen kannst, dann weißt du: die Zukunft steht offen, auch deine.

An der Krippe also steht Noah und sagt dir: Jesus macht dich lebendig! Und Abraham steht da und sagt dir: Jesus öffnet dir die Zukunft! Und nun stellt sich noch Mose dazu, und er sagt dir: Jesus ist mit dir auf dem Weg.

Und Mose erzählt von dem Weg durch die Wüste; wie sie hungrig waren und ihnen der Himmel zu essen gab, nie mehr als für einen Tag, aber nie zu wenig; wie sie da Vertrauen lernten – mehr oder weniger; wie sie nach dem Weg suchten und Gott ihnen voranging, selbst in dunkelster Nacht; wie sie sich stritten und Gott ihnen zeigte, wie man miteinander leben kann.

Mose sagt: Gott ist mit dir, wenn du gehst. Das ist die Verheißung. Und Christus ist dazu das Ja. Der seine Jünger um sich geschart hat und sie geleitet hat; dessen Geist in uns ist und mit uns geht, der Weg in Wahrheit ins Leben; und den nichts und niemand von uns trennen kann, kein Teufel, kein Tod, keine Not.

Bist du unsicher, ob dein Weg durchs Leben gelingt, du die Peilung behältst und weißt, was zu tun ist? Mose zeigt auf Jesus und sagt: Halte dich an ihn! Er ist der Gott-mit-dir, er ist der Wille, der Weg und die Kraft.

Was bedeutet es, dazu Amen zu sagen? Das heißt: So sei es in meinem Leben? Kannst du dir vorstellen, Jesus zu spüren in dir wie in Maria, immer dabei auf deinem Weg, nie bist du allein? Kannst du dir vorstellen, wie Simeon Christus zu tragen, und er erklärt dir dein Leben, deutet dir die Zeit, zeigt dir den Weg? Wenn du dir das vorstellen kannst, dann weißt du: Dein Weg wird ein gesegneter sein.

Jesus, das dreifache Ja Gottes zu seinen Verheißungen, Antwort auf die großen Sehnsüchte der Menschheit. An der Krippe steht Noah und sagt dir: Jesus ist die Fülle des Lebens! Und Abraham steht da und sagt dir: Jesus öffnet dir die Zukunft! Und an der Krippe steht Mose, und er sagt dir: Jesus ist mit dir auf dem Weg.

Und nun? Dein Amen dazu? Ich sag’s schon mal: Amen.