Keine richtige Freude? Dann halt Vorfreude! (Heiligabend)

Ihr Lieben,

kein Krippenspiel also, oder besser: die Verheißung eines Krippenspiels dann wieder im nächsten Jahr. Und wie Rahel eben sagte: Das steigert die Vorfreude!

Die Vorfreude, ja, vielleicht ist die in diesem Jahr sowieso die verbreitetste Form der Freude. Dieses Jahr ist Weihnachten komisch, richtig Freude mag bei vielen nicht aufkommen, bei euch vielleicht auch nicht. Aber im nächsten Jahr dann wieder! Und dieses Jahr ist halt mal keine richtige Freude, sondern nur Vorfreude.

Der Idee, Maria und Josef in den Mittelpunkt zu rücken, der können wir jetzt trotzdem noch mal kurz folgen. Wobei wir uns Josef für Sonntag aufheben. Heute also Maria. Und meine persönliche Entdeckung in diesem Jahr ist: Auch Marias Freude ist Vorfreude.

Ich habe mir jetzt ein „bloß“ verkniffen, weil Maria sich ja trotzdem wahnsinnig freut. Auch wenn es „bloß“ Vorfreude ist. Denn die Geburt dieses Kindes, die ist schon mal toll, aber sie ist noch nicht die Erfüllung. Sondern die Verheißung auf die Erfüllung.

Die Freude über die Geburt Jesu ist die Freude darüber, dass die Vorfreude jetzt noch begründeter ist!

Maria also und die Freude. Maria ist zu beneiden. Nicht irgendwie theoretisch theologisch, weil sie den Messias zur Welt bringt. Sondern weil sie so voller Freude ist und weil ihr Freude begegnet, wo sie geht und steht.

Ich will heute also nicht von Maria sprechen als der Frau, die einen schweren Weg geht. Vorehelich schwanger, ihr Verlobter nur mit Mühe zum Bleiben bewegt, anstrengende Reise im 9. Monat, keine menschliche Behausung für die Niederkunft, Flucht statt Erholung im Wochenbett. Nein, davon heute nichts.

Von der Spur der Freude will ich reden, die entsteht, wo erst Christus in Maria ist und wo dann sie mit Christus auftaucht. Eine Freude, die, auch wenn Advent vorbei ist und Weihnachten nun geworden ist, immer noch eine Vorfreude bleibt.

Maria und die Freude. Gehen wir mal mit. Maria kommt mit Jesus im Bauch zu ihrer Verwandten Elisabeth. Und da löst sie Freude aus. Und wer Freude auslöst, der freut sich immer mit, oder? Wir hoffen das zum Beispiel im Blick auf die Bescherung nachher!

Maria kommt zu Elisabeth, und die ist auch schwanger, und deren Kind im Bauch hüpft vor Freude, und nabelschnuraufwärts fährt dessen Freude Elisabeth in die Eingeweide, und ihr wird ganz warm ums Herz, und es jubelt aus ihr heraus: „Gepriesen seist du unter den Frauen, und gepriesen sei die Frucht deines Leibes!“

Und diese Freude springt auf Maria über. Sie singt als Antwort ein Lied, das beginnt mit „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes!“

Und Marias Herz füllt sich ein weiteres Mal mit Freude, als die Hirten voller Freude vor ihr stehen und erzählen von der Freude, die die Engel verkündigt haben, und wie sie, die Hirten, dann los sind, das Neugeborene suchen, und wie auf dem Weg ihre Vorfreude gestiegen ist, und jetzt sind sie da und können es vor Freude kaum fassen, dass sie tatsächlich vor dem Heiland, dem Retter, dem Erlöser stehen, und das auch noch als erste. Und die Freude, die ihr Kleiner bei den Hirten auslöst, füllt Marias Herz und macht es ein weiteres Mal ganz warm.

Und als sie den Kleinen ein paar Tage später in den Tempel bringen, um ihn als ihren Erstgeborenen auszulösen, wie es das Gesetz verlangt, da kommt plötzlich dieser alte Mann auf sie zu und strahlt vor Freude, und, ach, Maria hat sich noch nicht daran gewöhnt, dass ihr Jesus solche Freude auslöst, und sie will sich auch nicht daran gewöhnen, es wird ihr schon wieder vor Freude das Herz warm, als sie sieht, wie der alte Mann sich über ihren Kleinen freut, und er darf ihn mal in den Arm nehmen, und er strahlt und es jubelt auch aus ihm heraus, und er betet

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern!“

So viel Weihnachtsfreude, wo Maria geht und steht! Und was für eine Freude ist es? Es ist immer vor allem Vorfreude! Dass etwas begonnen hat, was sich in der Zukunft erfüllen wird.

Ihre Verwandte Elisabeth jubelt: „Es wird alles vollendet werden, was dir gesagt ist von Gott!“

Maria freut sich in ihrem Lied über Gott, denn „er gedenkt der Barmherzigkeit, die er unseren Vätern verheißen hat.“ Und nun wird sich zeigen, was das bedeutet!

Die Hirten hören von den Engeln: „Die Freude wird allem Volk widerfahren!“

Und was der alte Simeon gebetet hat, haben wir schon gehört: „meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern.“ Damit es sich nun verbreitet.

Die Freude in und um Maria ist vor allem Vorfreude. Gott hat etwas begonnen, vollendet wird es erst noch. Weihnachten ist noch nicht alles. Auch dieses Weihnachten nicht. Aber auch das tolle Weihnachten im letzten Jahr nicht. Und das nächste wieder tolle wird es auch nicht.

Weihnachten ist nie schon Erfüllung, sondern Weihnachten ist Verheißung. Weihnachtsfreude ist deswegen immer Vorfreude. Und die hält es aus, wenn Weihnachten selbst vielleicht mal nicht so viel Freude ist. So wie in diesem Jahr.

Weihnachtsfreude ist Vorfreude. Darauf, dass der Christus, dessen Kommen wir feiern, sich in den Umständen unseres Lebens als Herr und Heiland erweisen wird. Also in den zwölf Monaten bis zum nächsten Weihnachten.

Weihnachten ist nie schon Erfüllung. Weihnachtsfreude ist immer Vorfreude. Und die kann uns selbst an diesem Weihnachten erfüllen. Ich wünsche es euch! Amen.