„Ich glaube!“ – Echt? Und was? Und immer?

Liebe Gemeinde,

das ist sie also: die Jahreslosung 2020. Jahreslosung, oder außerhalb der Kirche würde man sagen: das Motto, das die Kirchen sich für dieses Jahr gegeben haben. Es lautet also:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Hm, also, eine Losung, das ist doch auch so eine Art Codewort, oder? Um irgendwo reingelassen zu werden. „Wer da? Die Losung!“ Und dann kommt meist irgendwas Markiges. Aber „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – was für Menschen würden sich so eine Losung geben?

Es klingt, naja, ein bisschen unentschlossen, oder? Kann man damit überhaupt Weiterlesen

Wo waren wir stehengeblieben? Egal!

Liebe Gemeinde,

es gibt so Bücher, die sollen einem helfen bei der Vorbereitung einer Predigt. Kollegen machen sich da schon mal Gedanken zu den Predigttexten. Und zu den Sonntagen, für die die Predigttexte vorgesehen sind.

Immer zu den Gottesdiensten am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag heißt es in diesen Büchern: „Am Tag nach Heiligabend sind nur wenige in den Kirchen. Oft die, die jetzt auch noch mal ein bisschen was Tiefergehendes zu Weihnachten hören wollen. Der Kern der Kerngemeinde. Die, die‘s richtig ernst meinen.“

Und? Seid ihr so welche? Ihr, die ihr heute morgen gekommen seid, findet ihr euch wieder in dieser Beschreibung, fühlt ihr euch verstanden? Der süßliche Teil von Weihnachten ist vorbei, jetzt darf man auch wieder ein bisschen nachdenken?

Dann sind die Worte aus dem Brief an Titus vermutlich genau richtig für euch. Weiterlesen

Mit leeren Händen dastehen

Liebe Gemeinde,

das hatten sich unsere Hirten [im Krippenspiel] so schön ausgedacht: Dem Messias kann man nicht mit leeren Händen gegenübertreten. Schnell, aber von Herzen ein paar Geschenke ausgesucht für das neugeborene Kind und seine Eltern und dann sich auf den Weg gemacht. Aber dann haben sie die Sachen unterwegs anderen Leuten gegeben, die konnten es auch brauchen. Und nun stehen sie mit leeren Händen da.

Leere Hände – ein gutes Thema für Weihnachten!

Wie beim alten Simeon. Von dem erzählt Weiterlesen

Jesus, Gottes Ja zu seinen Verheißungen – oder: Mit Noah, Abraham und Mose an der Krippe (4. Advent)

Liebe Gemeinde,

wenn einem etwas Schönes passiert, ist das ganz schön schön. Wenn etwas Schönes passiert, wonach man sich lange gesehnt hat, das ist dann noch mal um Vieles schöner. Marias Lobgesang haben wir eben gehört und auch den vom alten Simeon im Tempel. Sie jubeln: „Gott hatte versprochen, uns zur Hilfe zu kommen. Wir haben solange darauf gewartet! Und jetzt endlich ist er da!“

Nämlich wo? Erst im Bauch der einen, dann in den Armen des anderen. Die eine hat so ein Bauchgefühl, für den anderen war die Erfüllung zum Greifen nah.

Auch für uns? Ist Christus die Antwort auf das, wonach wir uns im Tiefsten sehnen? Mal angenommen natürlich, wir wissen, wonach wir uns im Tiefsten sehnen.

Wenn wir bei allem, was wir wünschen und hoffen, noch mal fragen „Warum?“, solange bis wir Weiterlesen

Anstand oder mehr? Nicht zu wenig wünschen! (3. Advent)

Liebe Gemeinde,

von der Prepper-Szene haben wir eben gehört. Von denen, die sich auf den Weltuntergang vorbereiten. Schutzräume bauen, Vorräte anlegen, sich in Internet-Foren organisieren. Leider sind unter denen aber auch Rechtsextreme. Die glauben, es droht ein Bürgerkrieg. Mit Muslimen und Migranten. Da wandert natürlich auch die eine oder andere Waffe mit in den Bunker. Und Hetzschriften zur Einstimmung.

Ach, das ist nicht die Art der Vorbereitung, an die wir denken, wenn wir an Advent denken als die Zeit der Vorbereitung, oder? Wir hoffen nicht auf die Wende durch Gewalt oder darauf, eine Katastrophe zu überleben. Wir wollen uns öffnen für den Gott, der kommt, um sich seine Welt zurückzulieben. Zu seiner Ehre und unser aller Wohl.

Und als Hilfe zum Öffnen erzählt uns das Neue Testament Weiterlesen

Grüne Knospen feiern statt welkende Blätter zu beklagen (2. Advent)

Liebe Gemeinde,

ja, was wäre dann wohl, fragt Lothar Zenetti: Vierzig Minuten Gott in Frankfurt-Sachsenhausen. Der Platz rund ums Affentor von seiner Herrlichkeit erfüllt. Zenetti vermutet: eine staunende Menge und stauende Autos mit genervt hupenden Fahrern, die wieder mal nicht begreifen. Und dann löst sich alles wieder auf. Und ist der Atheismus danach überwunden, wenigstens in Frankfurt-Sachsenhausen?

Vermutlich nicht. Das wird wohl so auch nicht gehen. Und auch nicht durch die Geburt eines Kindes. Ja, man weiß nicht, was aus der Welt geworden wäre, wenn dieses Kind nicht geboren wäre. Aber ein bisschen weniger Weiterlesen

Aufwachen! Damit oder weil es hell wird? (1. Advent)

Liebe Gemeinde,

nach durchwachten Nächten den Himmel sich langsam aufhellen zu sehen, das ist immer eine irgendwie besondere Erfahrung. Und natürlich kann sich das auch unterschiedlich anfühlen. Bei Tagesanbruch aus dem Club zu kommen ist etwas anderes, als auf einer Wanderung draußen wegen schlechten Wetters nicht richtig geschlafen zu haben und erleichtert wieder etwas sehen zu können. Einmal verbrachte ich als Jugendlicher eine Nacht auf dem Picadilly Circus in London und sah die Stadt einschlafen und aufwachen. Und noch mal etwas anders ist, an einem Krankenbett zu wachen und wenn dann die Sonne endlich wieder das glimmende Licht in einem selbst unterstützt.

Über das Licht freut sich besonders, wer Weiterlesen

Ja, wie kann man sich da denn NICHT vorfreuen und vorbereiten? (Ewigkeitssonntag)

Liebe Gemeinde,

was brauchen wir an diesem Tag, am Ewigkeitssonntag? Was wäre gut zu hören? Etwas Tröstliches wäre gut, wenn wir heute um einen Menschen trauern. Etwas Hoffnungsvolles wäre gut, wenn wir heute an unser eigenes Ende denken. Zum Beispiel etwas, das uns sagt: Das Ende ist nicht das Ende.

Ja, vielleicht sogar etwas, das uns sagt: Das Beste wartet überhaupt erst noch. So etwas wie das Lied, das wir eben gesungen haben. „Wacht auf! Der Bräutigam kommt! Das Fest beginnt!“ Wenn wir wüssten: Unsere Verstorbenen haben das gehört. Wenn wir wüssten: Auch wir werden das hören!

Aufwachen, der Bräutigam kommt, es geht los! Jesus erzählt uns so eine Geschichte. Weiterlesen

Unser Geliebter komme in seinen Garten! (Israel-Gottesdienst)

Liebe Gemeinde,

der Shalom-Chor wendet sich der Liebe zu. Zwei Stücke in unserem Gottesdienst heute kreisen um dieses Thema. Eben haben wir die Vertonung eines Verses aus dem biblischen Hohelied gehört. Dem Liebeslied schlechthin, und das in der Bibel! Und gleich wird der Chor ein Hochzeitslied singen. Aber wer heiratet denn da?

Ja, das ist die Frage. Im Hohenlied, was geschieht denn da? Darüber wollen wir jetzt noch ein wenig nachdenken. Das Hohelied: Ein Mann und eine Frau sind fasziniert voneinander. Sie suchen einander, sie locken einander. Sie kommen zueinander und sie fliehen, sie finden sich und sie verlieren sich. Und Wächter gibt es, die sie voneinander fernhalten wollen. Hochdramatisch das alles. Und, ja, immer wieder auch hocherotisch.

Aber um wen geht es da denn jetzt? Weiterlesen

Mit Gott wohnen in dieser Welt (Gottesdienst mit MICHA Deutschland)

Liebe Gemeinde,

„Gott macht keinen Müll“, so lautete das Jahresthema der MICHA-Initiative. Ich muss sagen, Gott und Müll, das habe ich bisher noch nicht zusammen gedacht. Tatsächlich ist das ja auch irgendwie nicht zusammen denkbar, oder? Schließlich: Wer die Dinge aus dem Nichts schafft, verbraucht dabei keine Ressourcen. Im Gegenteil: er schafft Ressourcen, die vorher noch gar nicht da waren.

Gott macht keinen Müll. Und das soll uns einladen, auch keinen Müll zu machen. Also, weniger wenigstens. Denn gar keinen Müll machen, das haben zuletzt vielleicht Adam und Eva geschafft, im Paradies.

Wieso komme ich jetzt auf Adam und Eva? Weiterlesen