4. Podium am Fichtenberg

Rund 100 Menschen erleben beim 4. Podium am Fichtenberg am 12.10. mit, wie es Nacht wird über der arabischen Welt und die Zahl der Anfragen, die Ada bearbeitet, sprunghaft ansteigt. Ada, das ist eine Diagnose-App, in das inzwischen ein Team von über hundert Fachleuten medizinisches Wissen einspeist. Unter anderem junge Frauen in Ländern wie den arabischen, in denen es kein Arztgeheimnis gibt, suchen nachts heimlich bei ihr Rat. Das erzählt uns ihr Erfinder, der Neurowissenschaftler Martin Hirsch. Er erzählt auch, wie jetzt die Bill & Melinda Gates Stiftung die Verbreitung der App in afrikanischen Ländern unterstützt, in denen es über weite Strecken überhaupt keine ärztliche Versorgung gibt. Weltweit stünden Gesundheitsministerien Schlange. Zurückhaltend seien besonders noch die Deutschen. Viele Ärzte verweigerten sich digitalen Hilfsmitteln. Selbstüberschätzung? Patienten fürchteten, gläsern zu werden, dabei ginge es doch darum, so ganzheitlich, wie es kein Mensch könne, diagnostiziert zu werden. Digitalisierung bewahre den Arzt davor, nicht über-menschlich sein zu wollen.

Digitalisierung ist unser Thema – Fluch oder Segen? Bleibt der Mensch in Kontrolle? Wird er sich verändern? Vielleicht sogar auch zum Guten?

Konstantin von Notz, Mitglied des Bundestages für Bündnis 90 / Die Grünen, zeichnet die Gefahren unkontrollierter Datensammelwut auf, ist aber auch zuversichtlich, dass der Staat wirkungsvolle Regulierungen schaffen kann. Florian Höhne, evangelischer Theologe von der Humboldt-Uni, meint, die neuen Formen der Kommunikation schafften einerseits mehr Möglichkeiten zur Teilhabe, andererseits dürften aber auch die ethischen Maßstäbe für das Miteinander nicht verloren gehen. Was wäre, wenn unzählige Christinnen und Christen Kommentarspalten und soziale Netzwerke mit Gutem füllen würden?

Aufzuhalten sei auch diese technische Revolution nicht, da waren sich alle einig. Und tatsächlich: das Publikum stellte das erste Mal seine Fragen mit dem Smartphone über eine Online-Plattform.

Und wie jetzt Mensch bleiben? Ganz einfach: Schalt auch mal ab, sei auch mal analog! Menschliche Entwicklung, auch die spirituelle, braucht immer auch leibhaftige Erfahrungen.

Langanhaltender Applaus zeigte: Das Thema ist aktuell und der Abend hat inspiriert.

-mw